Kasseler Meisterschüler Daniel Stubenvoll ist in Hamburger Schau „Junge deutsche Fotografie“ vertreten

Erfolg im Zirkel des Zitierens

Der Fotograf, wie er sich selbst gesehen haben will: Dieses Porträt stellte Daniel Stubenvoll zur Verfügung. Fotos: nh

Kassel. Für eine Wanderausstellung junger deutscher Fotografie hatte eine Jury unter 100 Einsendungen neun Positionen auszuwählen. Auf den ersten Blick ist es erstaunlich, dass sie sich auch für den Kasseler Daniel Stubenvoll entschieden hat. Denn der 29-Jährige hat eine so vielschichtige, komplexe Examensarbeit eingereicht, dass die Experten genau hinschauen mussten.

„Es gehört viel Vermittlung dazu“, räumt der Meisterschüler bei Johanna Schaffer an der Kunsthochschule ein. Seine Collagen, mit denen er zurzeit in den Deichtorhallen in Hamburg in der Ausstellung „Gute Aussichten“ vertreten ist, verschlössen sich bewusst dem Betrachter. Und dokumentierten eigentlich sein eigenes Scheitern als Fotograf. „Ich sehe mich nicht mehr als Fotograf“, sagt der gebürtige Heidenheimer, der in der Fotoklasse bei Bernhard Prinz, aber eben auch bei Bjørn Melhus (Klasse Virtuelle Realitäten) studiert hat. Sein Zweitprüfer Florian Slotawa kommt von der Bildhauerei und Konzeptkunst.

Ausgangspunkt seiner Arbeit ist das Fundament der Kunsthochschule - im wörtlichen Sinn. Als im Keller der Fotoklasse im Nordbau hinter lauter Gerümpel der 1964 gesetzte Grundstein gefunden wurde, hielt Stubenvoll dieses Herz, das Allerheiligste der Hochschule, mit der Kamera fest. Dann bat er elf Kommilitonen und Freunde, ihrerseits mit einer künstlerischen Arbeit auf die Aufnahme zu reagieren. Zitate in der Kunst, damit habe er sich viel beschäftigt, „es geht nicht ohne historische Bezüge“. Zum Schluss, auch mit dem Katalog, wollte er den „Zirkel des Zitierens“ wieder schließen.

Was ist das Fundament der eigenen Position? Welches sind die Bezüge? An welchen Vorbildern orientiert man sich? Solche Fragen in seiner Examensarbeit offenzulegen, fand er auch deshalb plausibel, weil der Zusammenhalt an der Kunsthochschule sehr stark sei: „Da ist eine sehr gute soziale Struktur.“ Dieses Netzwerk sei nun für immer verwoben: „Ich finde das schön.“ Für ihn selbst öffnen sich gerade neue Horizonte. Im April wird er als Inhaber des Charlotte-Prinz-Stipendiums der Stadt Darmstadt ein Atelierhaus beziehen, eine monatliche Zuwendung gibt es zwei Jahre lang dazu.

Ob nun Fotografie oder Konzeptkunst, was den Umgang mit Bildern betrifft, ist Stubenvoll genau. „Schwierig“, sagt er selbst. Die Aufnahme des Grundsteins gibt er nicht zum Abdruck frei, weil damit der Collagen- und Zitat-Charakter seiner Arbeit nicht zu verstehen sei. Damit nicht zahllose Aufnahmen im Netz herumgeistern, lässt er sich nicht fotografieren, sondern stellt ein Porträt zur Verfügung. Sowie die Edition, die für 245 Euro erworben werden kann.

www.danielstubenvoll.de

Von Mark-Christian von Busse

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