Erfolgreicher als Harry Potter: Der Hausfrauenporno „Shades of Grey“

Alles begann im Internet: Die britische Autorin E.L. James.

New York. Der Erfolg hat viele Zahlen: Auf dem ersten Platz der US-Bestsellerliste von „Publishers Weekly“ steht der erste, auf dem zweiten der zweite und auf dem dritten der dritte Teil der Roman-Trilogie. Platz vier: Der Sammelband der drei Bücher.

Zehn Millionen Exemplare wurden allein vom ersten Buch verkauft. Die Rede ist von „Fifty Shades of Grey“, einem Buch, das es vom Internet-Forumseintrag zum Weltbestseller brachte und das selbst „Harry Potter“ in den Schatten stellte. Die Bücher bieten Erotik - harte Erotik. In Deutschland bringt Goldmann das erste Buch der „Shades of Grey“-Reihe nun unter dem spröden Titel „Geheimes Verlangen“ auf den Markt.

Die ersten Geschichten von E. L. James (49) über Fesselung, Dominanz, Sadismus und Masochismus erschienen in einem Internetforum. Als die Texte für deren Leser zu heiß wurden, stellte die Schottin - das E. L. steht für ihren richtigen Namen Erika Leonard - sie auf ihre eigene Website. Wenig später erschien es als digitales E-Book für Lesegeräte wie den Kindle.

Es geht um Anastasia, 21 Jahre alt und noch Jungfrau. Sie trifft den gut aussehenden Milliardär Christian Grey und verfällt ihm. Was folgt, ist das Gegenteil von Blümchensex. Anastasia und Christian probieren so ziemlich alles aus. Besser gesagt: Er probiert es an ihr aus. Fesseln, erniedrigen, schlagen, besitzen.

Rekorde bei E-Books

Von der Trilogie wurden allein in den USA und Kanada 15 Millionen Bücher verkauft. In Großbritannien wurden mit den drei Bänden in der vergangenen Woche laut BBC fast zwei Millionen Pfund umgesetzt - mehr als mit den 50 folgenden Romanen der Bestsellerliste zusammen. Die Filmrechte sind längst verkauft.

Ein Teil des Erfolgs: E-Books und Lesegeräte. „Frauen können erotische Literatur nun überall auf ihre Kindles und iPads laden, ohne dass der muskulöse Schönling mit dem zerrissenen Hemd auf dem Buchdeckel sie verrät“, schrieb die Kolumnistin Maureen Dowd in der „New York Times“. Niemand brauche mehr im Buchladen heimlich zu fragen oder in der U-Bahn den Deckel schamvoll mit einer Zeitung abzudecken. Und in der Tat: Gerade bei den elektronischen Büchern werden Rekorde gemeldet.

Es ist längst vorbei mit heimlich. Noch immer weigern sich viele US-Büchereien zwar, das Buch anzubieten. Aber die, die es haben, haben lange Wartelisten. Demnächst gibt es auch Nachthemden und Reizwäsche im „Fifty Shades“-Style - wie immer der aussehen mag.

Bei Amazon war der erste deutsche Band rasch auf Platz 1 bei den Vorbestellungen, Goldmann startet mit einer Auflage von 500.000 Exemplaren. Ob es auch in Deutschland der große Erfolg wird, ist unklar. Schließlich können deutsche Frauen sich etwas einfacher mit erotischen Geschichten versorgen als Frauen in den prüden USA, wo das Buch als „Hausfrauenporno“ verspottet wird. (dpa)

E.L. James: Shades of Grey. Geheimes Verlangen. Goldmann Verlag, 608 S., 12,99 Euro.

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