Erfolgreicher Verlierer: Pop-Kauz Beck ist zurück

Keiner war so erfolgreich beim Verlieren wie der US-Musiker Beck Hansen. 1993 sang der junge Mann aus Kalifornien in seinem Hit „Loser“ die Zeile „I’m a loser baby, so why don’t you kill me?“ und wurde berühmt.

Mit der rhetorischen Frage, warum man ihn, den Verlierer, nicht umbringt, prägte Beck den Begriff des Slackers, des lustlosen Schluffis der Generation X der 90er-Jahre. Das war die Generation, die erstmals weniger Wohlstand erreichen würde als die ihrer Eltern.

Aber Beck wurde zum Posterboy der Alternativkultur. In seinen Songs mischte er Singer-Songwriter-Folk mit Rock, Blues, HipHop und Elektro, was stilbildend war. Aber richtig wohl muss sich der Enkel des deutschen Fluxuskünstlers Al Hansen nie gefühlt haben. „Ich komme künstlerisch aus einer Ecke mittelloser Musiker“, sagte Beck einmal. „In meinen Kreisen war es nicht cool, Erfolg zu haben und Geld zu verdienen.“ Seinen Hit „Loser“ mochte er gar nicht mehr spielen. Wenn er es doch tat, sang er: „Ich bin eine Milchkuh, Baby. Warum melkt ihr mich nicht?“

Seit sechs Jahren gab es nicht einmal neue Musik von Beck zu hören. Er arbeitete als Produzent für andere Künstler wie Charlotte Gainsbourg. 2012 veröffentlichte er neue Songs nur als Notensammlung, die andere nachspielen sollten, und erklärte, das Zeitalter des Albums sei vorbei. Ein guter Witz war das, denn nun gibt es endlich „Morning Phase“. Das zwölfte Beck-Album verzückt die Kritiker, Im „New Yorker“ hieß es, auch nach dem 50. Hören könne man nicht ein klitzekleines Ding finden, was falsch sei.

Beck selbst beschreibt „Morning Phase“ als „California Music“. Die 13 neuen Lieder klingen nach dem Westküstensound der 60er sowie den Beach Boys und Crosby, Stills & Nash. Das ist kein wilder Pop-Eklektizismus mehr, der sich überall bedient, sondern klassisches Songwriting.

Zu Gitarre, Banjo, Mundharmonika und Chören singt Beck mit seiner sanften Stimme und viel Hall über seine Unsicherheit wie in der Single „Blue Moon“ sowie über das Verlassenwerden. Die passenden Streicher dazu hat sein Vater David Campbell arrangiert, der in den 70ern für Stars wie Jackson Browne arbeitete.

Die Melancholie erinnert an Becks Album „Sea Change“ (2002), auf dem er die Trennung von seiner damaligen Freundin verarbeitete. Auch diesmal sagt der 43-Jährige: „Mir ging es lange Zeit nicht gut.“ Wegen eines Rückenleidens wurde selbst das Gitarre- spielen zur Qual. Das hört man dem schönen, aber etwas eintönigen Album nicht an. Einen Hit wie „Loser“ gibt es auf ihm nicht – vielleicht zum Glück für den eigenwilligen Kauz, der demnächst vor Gericht verlieren könnte.

Til Schweiger will Beck verklagen. Der deutsche Schauspieler hatte dem Musiker und dessen Familie seine Villa im kalifornischen Malibu vermietet. Als Beck auszog, soll er einen verschimmelten Saustall hinterlassen haben.

Von Matthias Lohr 

Beck: Morning Phase (Capitol Records). Wertung: Vier von fünf Sternen.

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