Intensives Zusammenspiel

Tianwa Yang und die Göttinger Symphoniker beim Kultursommer

Christoph-Mathias Mueller

Witzenhausen. Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 61 ist auch heute noch, 210 Jahre nach seiner Entstehung, eine Herausforderung für die Aufführenden. Es herrscht ein äußerst komplexes Verhältnis von Solist und Orchester.

Nach fünf einleitenden Paukenschlägen stellt das Orchester nacheinander fünf (!) Motive vor, ehe die Solovioline eher verhalten einsetzt – und erst dann in einen selbstbewussten Dialog mit dem Orchester eintritt, um es dann schließlich zu überstrahlen.

Was da eine langjährige musikalische Zusammenarbeit an gegenseitigem Verständnis ermöglicht, konnte man am Sonntag beim Auftritt der Geigerin Tianwa Yang mit dem Göttinger Symphonie-Orchester im Rahmen des Kultursommers Nordhessen erleben.

Ursprünglich als Open-Air-Event auf Schloss Berlepsch geplant, wurde das Konzert wegen der unsicheren Witterung in die Witzenhäuser Liebfrauenkirche verlegt – ein akustisch kein ganz unproblematischer Raum für diese Besetzung. Doch die in Kassel lebende Ausnahmegeigerin und das Göttinger Orchester mit seinem Leiter Christoph-Mathias Mueller stellten sich gut auf den Raumklang ein.

So entstand ein intensives Zusammenspiel, bei dem Tianwa Yang ihren Part ganz selbstverständlich und völlig uneitel aus dem sinfonischen Zusammenhang heraus entwickelte.

Was soll man herausheben? Tonschönheit der Kantilenen im ersten Satz, die ungewöhnliche, virtuos-reizvolle Kadenz von Camille Saint-Saëns, das verinnerlichte Spiel im Lar-ghetto-Satz, der rhythmisch frische und elegante Zugriff im Rondo-Finale? An Lebendigkeit und Farbreichtum des Geigentons – Tianwa Yang spielt ein Instrument von Guarneri del Gesù (1698-1744) – kommt der zweifachen Echo-Klassik-Preisträgerin ohnehin kaum jemand gleich.

Zu bewundern war diese besondere Klangkultur auch bei der zarten Zugabe, dem Satz „Malinconia“ aus der zweiten Violinsonate von Eugène Ysaÿe.

Mit großer Klarheit gingen die Göttinger Symphoniker dann Beethovens „Eroica“ an – ein Werk, das den Menschenschöpfer Prometheus feiert. Der erste Satz, der sein Hauptthema grandios entwickelt, war fein ausbalanciert zwischen kraftvoller Statik und flexibler Themengestaltung. Wunderbar ausdrucksvoll gestalteten die Göttinger den Trauermarsch. Leider widerstanden Mueller und die Musiker dann nicht der Versuchung, das elegante Finale pathetisch aufzuladen. Starker Beifall in der ausverkauften Kirche.

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