Strahlen der Freude und Synchronhaarwaschen: Eure Mütter beim Sommer im Park

Erhabenes ist verdächtig

Comedy-Terzett: Andi Kraus (von links), Don Svezia und Matze Weinmann sind Eure Mütter. Foto: Schachtschneider

VELLMAR. Nette Jungs, die drei, und so gut erzogen. Andi Kraus, Don Svezia und Matze Weinmann, das Comedy-Terzett namens Eure Mütter, begrüßte alle Zuschauer zu Beginn seines Konzerts in Vellmar singend beim Vornamen. Dann aber war es mit der guten Erziehung bald vorbei. Muss man wirklich den armen Florian Silbereisen so auf die Schippe nehmen? Man darf. „Die Sonne von Sorrent“ im Stil des angesagten deutschen Schlagers wurde zum ersten Knaller. „Ich sag’ ,In vino veritas’. Das heißt ,Ich liebe dich“ auf Spanisch …“. Früher hätte man das mit einem Duell geregelt.

Mütter wissen Bescheid im Leben. So ist es auch bei Andi, Don und Matze. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt den zentralen Zonen des menschlichen Körpers. Vieles bekommt zum großen Amüsement des fast vollen Festzelts eine Wendung ins Glitschige, auch die Winterreifen, die erstmals in der Musikgeschichte Gegenstand eines Liedes sind. Das Erhabene ist verdächtig und gehört einen Kopf kürzer. So zum Beispiel Beethovens Vertonung der „Ode an die Freude“, das drei begabte russische Musiker in einer neuen Interpretation vorführten. Ein gezielter Strahl aus ihren Hosen („War nur ein Trick!“) in klingende Metallschalen gab dem bekannten Stück eine allzu menschliche Dimension.

Persiflage ist eine der großen Stärken der männlichen Mütter. Ob es die Rockband „Goldregen“ ist, deren Auftritt sich überwiegend in „Yeah“ und geballten Fäusten erschöpfte, Mahmut, der begnadete Sänger vom Balkan, oder eine Rap-Band, die in einem Medley große Hits der Vergangenheit verwurstete, das alles saß und strapazierte die Lachmuskeln gewaltig.

Man wollte die drei Mütter am Ende nicht ziehen lassen, nachdem sie in ultrakurzen Bademänteln herzerweichend „Ihr geht fort“ auf die Melodie von „Tu t’en vas“ geschmalzt hatten. Diese Bekleidung war notwendig geworden, nachdem sie als erste Zugabe eine sprühende Vorführung im Synchronhaarwaschen geboten hatten.

Von Johannes Mundry

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