Was erlauben Lanz? Trapattoni und nackte Protestlerinnen im ZDF-Talk

Barbusige Demonstrantinnen überraschten am Mittwochabend Markus Lanz in seiner Talkshow.

Bei „Wetten, dass..?“ bejubelt Moderator Markus Lanz selbst die langweiligsten Wetten als „Sensation“. Superlative hat hingegen nur seine abendliche ZDF-Talkshow verdient – wie am Mittwochabend, als es ein „historisches Zusammentreffen“ gab.

So nannte der Gastgeber das erste Wiedersehen von Giovanni Trapattoni und Thomas Strunz im TV. Mit einer legendären Wutrede („War erlaube Strunz?“) hatte der italienische Fußball-Trainer vor 15 Jahren seinen damaligen Schützling unfreiwillig berühmt und zum Kult gemacht. Bei Lanz sollten beide noch einmal erzählen, wie sie die Rede („Spieler schwach wie Flasche leer“) erlebt hatten. Doch dann stahlen ihnen zunächst halbnackte Frauen die Show.

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Proteste und Störungen in Live-Shows

Nach einem Einspielfilm über die damalige Pressekonferenz stürmten zwei Femen-Aktivistinnen die Live-Runde. Über ihre Brüste hatten sie blutende Fußbälle gemalt sowie Slogans wie „Blut & Spiele“. Dazu skandierten sie „Boykott – Fifa – Mafia“. Weitere Protestler hielten im Hintergrund Plakate hoch. Mitarbeiter wollten die Störenfriede bereits aus dem Bild zerren, als Lanz forderte: „Nicht rausschmeißen“.

Daraufhin durfte ein junger Mann kurz erzählen, dass Arbeiter im WM-Land Katar wie Sklaven gehalten würden und das Turnier 2018 nicht in einem solchen Staat stattfinden dürfe. Bei „Wetten, dass..?“ hatte es einst ähnliche Zwischenfälle mit Umweltschützern gegeben. Frank Elstner und Thomas Gottschalk reagierten damals ähnlich souverän. Anders als der Samstagabendklassiker ist der Lanz-Talk aber nicht nur ein reines Unterhaltungsformat. Wäre Lanz ein ernsthafter Journalist (und kein Moderator von Brust-OPs im Privatfernsehen), hätte er mit seinen Gästen anschließend über Sport und Politik geredet. Er ist aber halt nur ein Entertainer und sagte: „Botschaft ist angekommen. Jetzt machen wir uns einen schönen Abend.“ Nicht einmal der Journalist Hajo Schumacher hatte die Chuzpe, die heile Talkshow-Welt infrage zu stellen.

Der schöne Abend wurde es dann tatsächlich noch. Man staunte über Thomas Doll, der nicht mehr aussieht wie der lockige Fußball-Trainer, der er einst in Hamburg und Dortmund war, sondern wie ein glatt gesträhntes Model. Man hörte Strunz zu, der von Carsten Lakies berichtete. Der Kasseler machte 1997 eine seiner vier Bundesliga-Partien ausgerechnet als Einwechselspieler für Jürgen Klinsmann, der daraufhin wütend eine Werbetonne eintrat.

Und man war vor allem von Trapattoni fasziniert, dessen Deutsch nach Jahren in Irland und Italien natürlich nicht besser geworden ist. Trotzdem ignorierte er meist den Simultandolmetscher und erzählte in seiner lustigen Fantasiesprache Dinge, die keiner verstand. Das hörte sich dann so an: „Geh suhause. Wer kann, mache spreche. Franz Uli Franz Uli.“ Lanz versuchte immer wieder, das Gesagte zu entschlüsseln – bis er den 74-Jährigen bat, auf Italienisch zu antworten: „Dann können wir folgen.“

Am Ende sorgte der Dolmetscher dafür, dass doch noch ein Satz hängen blieb. „Alle müssen den Knüppel rausholen, um mich vom Feld zu jagen“, sagte Trapattoni. Der Coach hat noch lange nicht fertig.

Von Matthias Lohr

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