Der Saxofonist David Sanborn mit Doppelkonzert im Kulturzentrum Schlachthof

Erlebnis der Extraklasse

Zwei Auftritte in Folge: David Sanborn in Kassel. Foto: Socher

Kassel. Nicht selten hatten außergewöhnliche Künstler in ihrer Kindheit mit einem schweren Handicap zu kämpfen. Der viel gepriesene, amerikanische Ausnahmesaxofonist David Sanborn begann als Therapie Altsaxofon zu spielen, nachdem er im Alter von drei Jahren an Kinderlähmung erkrankte.

Heute zählt man den in St. Lois aufgewachsenen Künstler weltweit zu den größten Saxofonisten der letzten vier Jahrzehnte. Mit Stars wie David Bowie, den Rolling Stones, Stevie Wonder oder Eric Clapton hat er zusammen gespielt und sechs Grammys in seiner Karriere gesammelt.

Am Mittwochabend gastierte der zeitlos smart aussehende 65-Jährige im Kulturzentrum Schlachthof. Das Begehren, einen Großmeister wie ihn zusammen mit seinen beiden kongenialen Begleitern Joey DeFrancesko (Hammond-Orgel), der vielen als legitimer Erbe Jimmy Smiths gilt, und dem Schlagzeuger Gene Lake live zu erleben, war so groß, dass gleich zwei Konzerte für denselben Abend gebucht wurden.

Bis halb zehn dauerte die erste Bescherung, eine halbe Stunde später begann die zweite. Im Mittelpunkt stand Sanborns neues Album „Only Everything“, eine künstlerische Verneigung vor dem genialen Ray Charles.

Das Konzert zu beschreiben gleicht einer Aneinanderreihung von Superlativen. Sanborn vereint in seinem Spiel exzessiv aufschreiende Leidenschaft mit sinnlicher Zärtlichkeit. Saxofon-Tiraden, grell wie Neonlicht, und bluesgefärbte Sensibilität wechseln einander ab und verschmelzen zu einer eigenen, mitreißenden Ästhetik. Das Publikum schwankte zwischen Verehrung und Begeisterung.

Nicht minder beeindruckend der schwergewichtige Mann hinter der Hammond: Joey DeFrancesko. Im Gegensatz zum introvertiert sensiblen Sanborn scheint jede Taste seines Instrumentes unmittelbar mit seinen Nervenzellen verbunden zu sein. Ein genialer Musikus, der bei kreischenden Soli Mund und Augen weit aufreißt und im musikalischen Meer seiner Leidenschaften versinkt.

Das Publikum tat es ihm gleich.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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