The New Grace Kelly mit ihrem Quintett im Schlachthof

Erlebnispark des Jazz

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Mit kessem Charme: The New Grace Kelly.

Kassel. Wer Grace Kelly heißt, will scheinbar hoch hinaus. Die Schauspielerin knutschte sich mit Cary Grant über den Dächern von Nizza zum Welterfolg. Jetzt versucht eine 17-jährige Saxofonistin mit diesem Namen, die Jazzszene zu erobern. Dass sie auf einem guten Weg ist, bewies das Konzert im vollbesetzten Kulturzentrum Schlachthof.

Mit kessem Teenagercharme, einem routinierten Trio und der brillanten Gastmusikerin Ingrid Jensen inszenierte man einen Jazz-Erlebnispark, der von Popcorn bis zur Achterbahn alles zu bieten hatte. Wenn man auch mit „Caravan“, „All Blues“ und „Ain’t no sunshine“ eher gediegenen Traditionalismus am Start hatte, schafften es die Protagonisten, mit Interpretationen von Standards und fusionlastigen eigenen Werken sich jeglichen Vorwürfen der kommerziellen Anbiederung zu verweigern.

Es muss nicht gleich das Bild vom Wunderkind strapaziert werden, wenn jemand im jungen Alter anspruchsvolle Instrumentalkunst beherrscht. Kelly wirkte sehr komplett in ihrem Spiel und beim Gesang, doch die Maserungen des Lebens haben sich noch nicht in ihren Ton geritzt. Da ging es bei den Trompetensoli von Ingrid Jensen anders zur Sache. Da entstanden Druck und Leidenschaft. Die langsamen Flügelhornpassagen dekorierte sie mit viel Selbstbewusstsein und Feingefühl. Pianist Doug Johnson bewegte sich nuancenreich auf dem anspruchsvollen Terrain. Ebenso Geburtstagskind Evan Gregor am Bass und der mit viel Kontrast agierende Schlagzeuger Jordan Perlson.

Dass Notenblätter über die Bühne wirbelten, das Kabel vom Bass erst beim zweiten Song den Verstärker fand und Kelly alberte wie ein Highschool-Girl beim Abschlussball, wurde mit amerikanischer Lässigkeit angeboten. Kräftiger Applaus.

Von Andreas Köthe

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