Im Teensclub des Staatstheaters Kassel werden Jugendliche an die Theaterarbeit herangeführt

Erlebte Wut hilft, Wut zu spielen

Spaß am Spielen: Die Jugendlichen vom Teensclub des Staatstheaters Kassel lernen durch ihr Schauspiel die Theaterarbeit kennen. Die Aufführung ihres Stückes „Strafraum“ kommt ohne Requisiten aus. Foto:  Polk

Kassel. „Schaut nicht auf den Boden, schaut geradeaus!“ Die Anweisungen von Raphaela Kurz sind klar, ihre Stimme ist kräftig. 23 Jugendliche gehen auf Geheiß der Theaterpädagogin zurück an ihre Plätze, ohne Murren, und proben die Szene nochmal.

Für den Teensclub des Staatstheaters Kassel gibt es keine Osterferien, im Gegenteil: Die 12- bis 15-Jährigen haben eine intensive Probenwoche hinter sich. Sie bereiten sich auf die Premiere ihres Stückes „Strafraum“ vor.

„Wenn ich Theater spiele, dann kann ich meinen Alltag vergessen und in eine andere Rolle schlüpfen“, sagt Jessica. Die 15-Jährige spielt zum ersten Mal im Teensclub mit. Andere haben schon im Kidsclub der 9- bis 11-Jährigen Erfahrungen gesammelt und wollen unbedingt weitermachen. Die Gründe dafür sind vielschichtig: „Als Schauspielerin darf ich auch mal böse sein, zu Hause nicht“, sagt Jana. Selbst erlebte Wut helfe ihr dabei, Wut zu spielen, so die Vierzehnjährige.

Im Stück „Strafraum“ geht es um Ungehorsam und Strafe, Verständnis und Wut. Dass sie bei den Proben strenge Anweisungen bekommen, ist für die jungen Darsteller in Ordnung: „Wir wollen ja, dass das Stück gut wird“, sagen sie.

Raphaela Kurz weiß, wie weit sie gehen kann. „Gerade bei den Jugendlichen gebe ich darauf acht, dass sie sich nicht in ihren Emotionen verlieren“, sagt die Theaterpädagogin. Klare Anweisungen würden dabei helfen. Ganz nebenbei würden die jungen Menschen schauspielerische Schlüsselqualifikationen erwerben. Dazu gehöre eine gute Selbstwahrnehmung, aber auch die Wahrnehmung der Gruppe und die Fähigkeit, sich zu artikulieren. „Am Ende der Spielzeit sind sie verändert“, sagt Kurz.

Eine öffentliche Aufführung ist der Höhepunkt der gemeinsamen Arbeit. Das Stück „Strafraum“ hat die Gruppe mit Raphaela Kurz entwickelt. Aus Improvisation entstanden Rollen und Texte.

Zu Beginn des Schuljahres formiert sich der Teensclub neu. Dann kommen sicher neue Gesichter in die Reihen derer, die es nicht lassen können. Premiere: Sonntag, 18 Uhr (ausverkauft), weitere Vorstellung am Montag, 18 Uhr, tif – Theater im Fridericianum, Karten: 0561-1094-222.

Von Ilona Polk

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.