Gipfel der Blasmusik

Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten in Kassel

Präsentierten sich in Topform: Die Egerländer Musikanten, hier mit dem Kasseler Klarinettisten Alfred Wurm (links) sowie Tenorhornspieler und Leiter Ernst Hutter. Foto:  Hedler

Kassel. Es gibt eine Menge zu feiern bei den Egerländer Musikanten. Ernst Mosch, der legendäre Gründer, wäre kürzlich 90 Jahre alt geworden, vor 60 Jahren gründete er sein Blasorchester.

Vor 30 Jahren kam der Posaunist und Tenorhornist Ernst Hutter ins Ensemble, und seit 15 Jahren leitet er selbst das „erfolgreichste Blasorchester der Welt“, wie sich die Egerländer aufgrund ihrer Konzert- und Plattenerfolge nennen können. Bei ihrem Konzert im Rahmen der Jubiläumstournee am Freitag vor 1200 Zuhörern in der Kasseler Stadthalle nahm daher die Rückschau auf vergangene Zeiten durch den Moderator Edi Graf viel Raum ein, vielleicht zu viel.

Doch sobald die 18 Musiker, allesamt erfolgreiche Profis, zu spielen begannen, gab es nur eins: Böhmische Blasmusik in Spitzenqualität. Eine interessante Mischung aus alten Titeln, die zu Hits wurden, und neueren Kompositionen, die allesamt hohe Anforderungen an die Bläser stellen. Wie frisch die alten Stücke klingen können, zeigten die Egerländer mit dem Walzer „Rauschende Birken“ und der „Fuchsgraben“-Polka, den beiden Titeln, die einst die Vorder- und Rückseite der ersten Egerländer-Schellackplatte bildeten.

Hier trat auch das bewährte Gesangsduo Katharina Praher und Nick Loris in Aktion. Die beiden bekamen für Egerländer-Hits wie „Mädel ruck her zu mir“, „Wir sind Kinder von der Eger“, besonders aber für die Zugaben „Egerland, Heimatland“, „Das Feuer brennt weiter“ und die Abschiedspolka viele Bravos.

Was die Qualität der Egerländer ausmacht, zeigten sie auch in Kassel eindrucksvoll: Ein kraftvoller, dabei transparenter Bläsersatz mit einer strahlenden Trompetensektion, wunderbar warmen Tenorhörnern, kraftvollen Posaunen und Tuben sowie einer agilen Klarinettensektion, zu der auch der Kasseler Staatstheatermusiker Alfred Wurm zählt. Dazu kommt ein besonderer Drive, ein „Volksmusik-Groove“, den der Leiter Ernst Hutter pflegt, und der die Polkas, Walzer und Märsche so mitreißend macht.

Ihre solistischen Qualitäten zeigten die Egerländer in einem modernen Programmteil, in dem auch mal Offbeat den Polka-Rhythmus ersetzte: Mit der Tenorhorn-Rhapsodie präsentierte sich Ernst Hutter als exzellenter Bläser, und beim Egerländer Trompetentraum zeigten Jörg Brohm mit herrlich strahlendem Ton und Martin Hutter mit fantastischer Höhensicherheit, was für außergewöhnliche Musiker sie sind.

Es war also reichlich Würze im Spiel, nicht nur bei der Polka „Pfeffer und Salz“ von Ernst Mosch und Frank Pleyer, die natürlich nicht fehlen durfte. Erst nach drei Zugaben war das mitklatsch- und jubelfreudige Publikum bereit, die Musiker von der Bühne zu lassen.

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