Kabarettistin Sissi Perlinger teilte in Kaufungen unangenehme private Erfahrungen mit ihren Fans

Ernstes zum Kreischen komisch

Wandlungsfähig: Energiebündel Sissi Perlinger ist erstmals seit Jahren wieder auf Tour und nahm in Kaufungen ihre Erlebnisse beim Überwinden eines Tinnitus aufs Korn. Foto: Dietzel

Kaufungen. Scharf wie eine Katze krabbelt Sissi Perlinger auf allen vieren auf der Bühne in Richtung Publikum und lässt dabei tief blicken. Die gut 350 Zuschauer im Kaufunger Bürgerhaus bekommen am Freitagabend gleich zu Beginn der Show „Gönn’ Dir "ne Auszeit“, was sie erwartet haben: eine vielseitige, aufgedrehte Sissi Perlinger in schrillen Kostümen, die sie gefühlt alle drei Minuten wechselt.

„Ihr dürft schreien, toben, pfeifen“, ermuntert die Blondine ihre Fans. Und so kommt es dann auch. Die 47-jährige Komikerin flitzt im Glitzeranzug übers Parkett, überzeugt an Gitarre und Schlagzeug, mit markanter Stimme, witzigen Reimen und obszönen Pointen. Es wird hemmungslos gelacht, geklatscht, gejubelt. Die Suche nach dem Glück, eine autobiografische Geschichte, gibt dem Musical sogar eine tiefgründige Handlung. „Burn-out? Ich doch nicht! Kauf ich mir halt "nen zweiten Terminkalender“, verkündet sie, bis sie sich dann doch eingesteht, dass sie zu viel um die Ohren hat. Aber auf einer niederbayerischen Wellness- und Hühnerfarm stellt sie fest, dass „der Unterschied zwischen Wellness und Loch Ness nicht so groß ist“.

Perlinger plappert und gestikuliert ungebremst. Sie trällert die Tonleiter hoch und runter, trommelt, tanzt auf hochhackigen Schuhen zwischen bunten Requisiten, mal mit Hip-Hop-Elementen, dann wieder Bauchtanz.

Perlinger hat so einiges durchgemacht. Bei ihrer Schwester zuzusehen, wie diese ein Kind gebärt, war ihr aber zu viel. „Gurke rein, das ist fein, Melone raus, das halt’ ich nicht aus“ - lautet ihr Fazit. Perlinger enthält ihren Fans auch nicht ihre Haltung zur Religion vor. Schon als Kind habe sie herausbekommen, was Kommunion eigentlich bedeute: „Komm zur Union“.

Dann der Tinnitus. Perlinger berichtet von einer Erholungsreise nach Indien. Und den längsten Flug ihres Lebens. Sie imitiert einen Hippie, der ihr „stundenlang das Ohr volllabert“ – zum Kreischen komisch. „Bravo!“, ertönt es aus dem Publikum.

Weniger Lacher kassiert Perlinger für eine gewagte Anspielung darauf, dass sie selbst und ihre Fans immer älter werden: „In der Pause habe ich gesehen, dass einige ihren Zivi mitgebracht haben.“ Dann schlüpft sie in die Rolle einer jung gebliebenen Seniorin, die für „graue Flowerpower“ steht. Und sie hat einen Rat parat: „Beißt nicht ins Gras, raucht es lieber!“

Am Ende hat das temperamentvolle Multitalent seinen Tinnitus besiegt. „Wer ein Glückssucher ist, ist ein Nimmersatt“ und „Glück entsteht im Stillen“, gibt sie den Zuschauern in einem Lied mit auf den Weg. Dass Glück auch bei Spektakel entstehen kann, hat ihre Show gezeigt.

Von Stefanie Dietzel

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