Neu im Kino: Das Episodendrama „Ruhm“ nach Daniel Kehlmann verschenkt zu viel

Isabel Kleefeld verfilmt Daniel Kehlmanns "Ruhm": Ernüchternde Geschichten

Eine Szene von vielen: Stefan Kurt als Leo Richter und Julia Koschitz (Elisabeth). Foto: dapd

Voller Spannung warten deutsche Leseratten auf Detlev Bucks Kinoversion von Daniel Kehlmanns Roman „Die Vermessung der Welt“. Wie um die Zeit bis zum Filmstart im Oktober zu verkürzen, inszenierte Isabel Kleefeld nun erst einmal Kehlmanns jüngstes Werk „Ruhm“ als Episodenfilm mit Star-Ensemble.

Mühsam hat sich Joachim Ebling (Justus von Dohnányi) dazu durchgerungen, endlich ein Handy zu erstehen, da ereilt ihn umgehend das Pech, dass seine neue Nummer mehrfach vergeben wurde. Wie sonst soll man sich erklären, dass Joachim pausenlos Anrufe von Unbekannten bekommt? Obwohl einige dieser Teilnehmer ausgesprochen interessant sind.

Unterdessen flieht der prominente Schauspieler Ralf Tanner (Heino Ferch) vor den Fesseln des eigenen Ruhms. Er nimmt eine alternative Identität als sein eigener Doppelgänger an, lebt aber nicht unbedingt ruhiger.

Rosalie (Senta Berger) will überhaupt nicht mehr leben, weil der Krebs sie auffrisst. Sie reist in die Schweiz, um sich Sterbehilfe leisten zu lassen. Die Autorin Maria Rubinstein (Gabriela Maria Schmeide) lässt sich breitschlagen, anstelle ihres Kollegen Leo Richter (Stefan Kurt) in ein Land des Ostblocks zu fahren, wo sie von einer wahren Pechsträhne verfolgt wird. Und so weiter, und so fort.

Eine gewisse Ernüchterung

„Wir sind immer in Geschichten. Man weiß nie, wo eine endet und eine andere beginnt.“ Mit dieser Bemerkung endet der Episodenfilm und hinterlässt verwirrte Zuschauer. Während man in der ersten Hälfte noch erstaunt und angenehm aufgeregt war, weil sich hier endlich jemand traut, sich von den althergebrachten Erzählstrukturen zu lösen, macht sich in der zweiten Hälfte eine gewisse Ernüchterung breit.

Die Handlung verliert an Fahrt, nicht alle Geschichten werden zu einem befriedigenden Ende gebracht, die Verknüpfungen sind vage und die Aussage des einen oder anderen Kapitels erschließt sich nicht wirklich. Sicherlich hat dieser Streifen einige wunderbare Szenen zu bieten, die den Erwerb einer Eintrittskarte durchaus rechtfertigen. Aber wie viel mehr wäre hier möglich gewesen.

Genre: Episodendrama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: Drei SterneVon André Wesche

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