In Mainz beschäftigt sich zum ersten Mal eine Ausstellung mit dem Lachen im Mittelalter

Erst im Himmel wird jubiliert

Lachender Knabe aus einem Zug der Seligen (um 1239, links) und die Markgräfin Reglindis des Naumburger Meisters. Fotos:  Diözesanmuseum

Mainz. In unserer Welt wird mächtig dafür geschuftet, gute Laune unters Volk zu bringen. Sie trieft aus allen Kanälen und den meisten Medien. Da ist es schwer vorstellbar, dass das mal ganz anders gewesen sein könnte. Und doch gab es eine ferne Zeit, in der Lachen gar nichts und Trauern alles war.

„Zum Lachen bitte in den Keller gehen!“ Und das im fröhlichen Mainz, mag der Besucher denken. Doch wer sich mit dem Lachen in Kunst und Kultur des Mittelalters beschäftigen möchte, muss in den gotischen Gewölbekeller des Mainzer Diözesanmuseums unter dem Dom. Hier warten über 50 Skulpturen, Handschriften und Drucke der Ausstellung „Seliges Lächeln und höllisches Gelächter“ im schummrigen Licht.

Erstmalig widmet sich diese Schau einem Thema, von dem man meinen könnte, es schmunzelnd abschreiten zu können. Richtig ist, dass die Geschichte des Lachens eine höchst ernste, kultur- und religionsgeschichtlich facettenreich verschachtelte Angelegenheit ist. So wird der gut aufgelegte Besucher denn auch zunächst mit Texten und Zitaten konfrontiert, die eher die Rolle der Spaßbremse übernehmen.

Man erfährt, dass schon in der Antike die Meinungen auseinandergingen. Platon sah das Lachen als unvernünftig an, während Aristoteles es als Alleinstellungsmerkmal entdeckte: „Von allen Geschöpfen lacht nur der Mensch.“ Im Mittelalter war Ausgangspunkt aller Überlegungen, ob Jesus gelacht habe - was lange Zeit verneint wurde. Von den Heiligen sind folglich keine derartigen Gefühlsregungen überliefert. Kirchenvater Hieronymus: „Weh euch, die ihr lacht, denn ihr werdet trauern.“ Erst im Himmel oder der Hölle werde gelacht - dort jubilierend, hier höhnisch. Lachen verboten, hieß es auch für die Mönche. Wörter, die zum Lachen reizen konnten, versuchte man, aus dem Sprachgebrauch zu eliminieren.

Aber auch im weltlichen Leben galt ein Lachender als Tor. Derartige Entäußerung war nur nach bestimmten Regeln gestattet. Kinder dagegen genossen „Narrenfreiheit“. Doch tatsächlich sei das Mittelalter voll von meist derbem Gelächter gewesen, liest man in der Ausstellung. Und nach der Wiederentdeckung der aristotelischen Schriften im 12. Jahrhundert kam es zu einer deutlichen Steigerung der Wertschätzung des Lachens.

In der singulären Schau strahlt eine Madonna ihr gut gelauntes Jesuskind an. Engel und fröhliche Heilige lächeln beim Martyrium. Ein Lettner stellt bestens aufgelegten Seligen am Jüngsten Tag eine Gruppe Verdammter gegenüber. Feixende Teufel und Fabelwesen, die Anlass zum Frohsinn gegeben haben, werden aufgeboten, um die diversen Formen des Lachens zu verdeutlichen.

Aber so richtig will sich die gute Stimmung nicht übertragen. Es gelingt den Exponaten nicht, den im Text breit abgesteckten Raum mit erhellendem Leben zu füllen. Die Schau erklärt jede Menge, weiß es aber nur unzulänglich zu bebildern. Besser informiert der lesenswerte Katalog.

Bis 16. September, Diözesanmuseum Mainz; Tel. 06131/253344, www.seliges-laecheln.de; Katalog im Buchhandel 25,95 Euro (Verlag Schnell & Steiner).

Von Ulrich Traub

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