Premiere von Martin Lükers Kreisler-Programm im Theaterstübchen

Erst lustig, dann großartig

Ein Schelm gibt einen Schelm: Martin Lüker mit seinem Kreisler-Programm im Theaterstübchen. Foto: Fischer

Kassel. Der Wiener Kabarettist Georg Kreisler war schon zu Lebzeiten eine Legende. Im vergangenen November starb er 89-jährig. Seine Chansons voll schwarzen, tiefsinnigen Humors machen ihn unsterblich. Am Freitag präsentierte der in Kasseler Pianist und Humorist Martin Lüker Kreationen aus der Textschmiede des Meisters im ausverkauften Theaterstübchen.

Zum Auftakt ein weniger bekanntes Kreisler-Stück – dachten einige: „Aus und vorbei“ – „nie wieder darfst du meine Treppe putzen.“ Doch Kreisler-Kenner hatten es längst bemerkt: das erste Stück war nicht von Kreisler, sondern vom Schelm Lüker. Der freute sich über seinen Reinleger, ließ dann aber das Original sprechen: „Alle Tränen“ - „ich hab‘ dir schon solange keine mehr verehrt, du bist es wert“.

Noch stärker „kreislerte“ es bei „Bitte erschieß deinen Gatten“, dem Gedicht vom „alten Grammofon“ oder „Das Triangel“. Wie zu erwarten, hatte der Pianist Lüker mit der musikalischen Seite Kreislers keine Probleme. Doch der sympathische Westfale schien zunächst nicht so recht zu den boshaften Texten des großen Wieners zu passen. Kreisler ist eben Kreisler, und Lüker ist Lüker.

Nach der Pause aber wendete sich das Blatt. Lüker schwankte nicht mehr zwischen sich und dem Original. Er versuchte nicht mehr, den Kreisler zu geben, sondern dessen Werke eigenständig zu interpretieren. Nun ging die Post ab. Angereichert mit eigenen Kreationen sorgte Lüker mit urigem Humor für Lachanfälle im Publikum. Und Kreislers Renner wie „Tauben vergiften“ oder „Das Mädchen mit den drei blauen Augen“ zündeten trefflich. Fazit: Zuerst stimuliert, dann begeistert. Viel Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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