Der holländische Musiker Hamel und die belgische Sängerin Selah Sue zu Gast im Kulturzelt

Erst Sonnenschein, dann Melancholie

Teenie-Schwarm und Schwiegermutter-Traum: Hamel bot im Kulturzelt ein Sonnenbad fürs Herz. Foto:   Malmus

Kassel. In Japan, so steht es im Programmheft, kreischen Teenies, wenn der holländische Newcomer Hamel aus dem Flugzeug steigt. Wer den gut aussehenden Blondschopf am Donnerstagabend im Kulturzelt erlebte, kann sich gut vorstellen, dass der auf einem Konservatorium geschulte Schlaks ein Schwarm ist.

Auch die 300 Besucher im Zelt an der Drahtbrücke feierten ihn. Etwas gemäßigter allerdings. Doch das Lob für diesen vielseitigen Musiker muss kräftig ausfallen. Hamels Musik, eine ansprechend arrangierte Melange aus Pop, Swing, Tango, Bossa Nova und Gänsehaut-Balladen, berührt generationsübergreifend.

Optisch würde er sich gut in einer Boygroup machen, musikalisch, und auch wegen seiner jugendlich-charmanten Aura, passt er auch ins Bild vom bevorzugten Schwiegersohn. Die Musik und die Art, wie er und seine Band sie präsentieren, verströmen viel positive Energie. Ein Sonnenbad für Herz und Stimmung.

Auch Hamels Stimme hat Charisma. Hinzu kommt die ungekünstelte, sympathische Art, wie er seine Lieder anmoderiert: „Ich wollte von zu Hause ausreißen. Bin ich aber nicht und habe deswegen lieber ein Lied darüber geschrieben.“

Und die Bühnenpräsenz? Eine natürliche Persönlichkeit, die sich verträumt in jedes Lied fallen lässt und seinen Bandmusikern schon mal den Schweiß von der Stirn wischt.

Nach der Pause Stimmungswechsel. Die ebenfalls noch sehr junge, belgische Sängerin Selah Sue betrat die Bühne. Bei einem Gesangswettbewerb begeisterte sie Jonathan Vanderbrock, besser bekannt als Milow, so nachhaltig, dass er sie für eigene Auftritte engagierte. Wenig später folgten umjubelte Auftritte bei renommierten Festivals.

Auch Sue darf eine Karriere prophezeit werden. Wenngleich nicht in Kassel. Eigene Lieder und Stücke von Erykah Badu und Amy Winehouse stehen auf ihrer Songliste. Kraftvoller, bassbetonter Pop-Rock mit bisweilen melancholisch-psychodelischer Einfärbung ist das Resultat, über das sie ihre zerbrechlich anmutende Soulröhre legt.

Das spaltete das Publikum in zwei Lager. Die jüngeren Semester tanzten ausgelassen neben der Bühne, zahlreiche Vertreter des Mittelalters verließen das Konzert. Bedauerlich, denn Selah Sues Musik besitzt Ausdruck und Charisma.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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