Erste "Dschungelcamp"-Folgen bieten bekannten Mix aus Ekel und Spott

Für die Zuschauer der ersten Folgen der RTL-Show „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ war es, als seien sie nicht im australischen Dschungel, sondern in einer Zeitschleife gefangen. Es ist alles genau wie vor einem Jahr.

Kakerlaken krabbeln auf silikonverstärkten Brüsten, Käfer und Raupen werden verzehrt, und rund ums Lagerfeuer wird bereits so schön gezickt, geherzt und geknuddelt, dass es den Gagschreibern für die Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow reichlich Material liefert.

Im Schnitt 6,88 Millionen am Freitag (24,7 Prozent Quote) und 6,22 Millionen am Samstag (23,2) wollten das Spektakel im Busch sehen - das sind für RTL ansehnliche Werte, die aber noch nicht an die Rekordzahlen von 2011 mit durchschnittlich 7,62 Millionen heranreichen.

Die Show brauche „diese gebrochenen Persönlichkeiten“, hatte Dirk Bach der „Bild“ gesagt. Sonja Zietlow spottete „theoretisch könnten wir da jeden nehmen“ und traf damit den Nagel auf den Kopf. Wes Geistes Kind die aktuellen elf Camp-Insassen sind, darauf ließen schon die je zwei „Luxusartikel“ schließen, die jeder mitnehmen darf: Haarwachs, Rouge, ein Pendel für Rituale oder die „Busenbommel“ („Nippel Pasties“), für die sich Erotik-Model Micaela Schäfer entschied. Neulich hatte die 28-Jährige für „Bild“ wildfremde Männer auf der Straße ihre Brüste anfassen lassen, die sie allzu gern der Kamera präsentiert: auch schon im Dschungelcamp.

„Die einen ekeln sich vor Reptilien, sie sich vor Textilien“, lästerte das Moderatoren-Duo, dessen Scherze manchmal unsagbar blöde und manchmal genial sind. Magier Vincent Raven („The Next Uri Geller“), im richtigen Leben Andreas Plörer, ekelte sich zumindest vor dem „schwulen Rot“ der Dschungel-Einheits-Klamotten: „Tuntenfarbe! Schwuchtelfummel!“, schimpfte er, ehe es ins Fernseh-Lager ging.

„Für viele war das der härteste Marsch seit dem Weg in die Insolvenz“, spottete Bach über die Wanderung der Kandidaten ins Camp, die Zietlow als „abgefahrenste Truppe“ bezeichnet, „die wir je hatten“.

Wenn der erste Eindruck nicht täuscht, sind die „Dschungelprüfungen“, für die die Zuschauer täglich einen Kandidaten nominieren, diesmal noch härter als bisher. Vermutlich glaubt RTL, den Ekel weiter steigern zu müssen. Beim Auftakt („Urwald-Klinik“) gab es Mehlwürmer-Bäder, lebende Stabheuschrecken als „Fieberthermometer“, und aus Halskrausen kletterten Kakerlaken. Das erinnerte an die Kreativität, mit der mittelalterliche Folterwerkzeuge erfunden wurden. Model Micaela musste als „Bluttransfusion“ mit einem Mix aus Emu-Blut und pürierter Leber nachspülen. Kommentar Micaela zu den Dschungel-Köstlichkeiten: „Ich kann auch nicht besser kochen.“ Sich die Ekelbrühe von den Leibern zu waschen, brachte RTL dann natürlich attraktivere Bilder.

Im halshohen Wasser im dunklen Käfig fischte Ex-DSDS-Kandidatin Kim „Gloss“ Debkowski vier Sterne zwischen Kröten, Krebsen und Schlangen, also nur vier Essensrationen zusätzlich zu den kargen Bohnen und Reis, über deren Zubereitung so munter gestritten wurde wie über den Spüldienst. „Wenn sie haushalten könnten, wären sie nicht hier drinnen“, lästerte Zietlow.

Was war noch? Rocco Stark, der „Halbbruder von Winnie Pooh und Salto Mortale“ Ochsenknecht, stellte fest „Ich habe nur einen Vater“ und erzählte von der Unterhaltsklage, die er gegen den berühmten Schauspieler angestrengt habe. Uwe Ochsenknecht habe 10000 Euro ausgegeben für ein Gutachten, „dass ich kein Talent hab“, um die Schauspielschule seines unehelichen Sprosses nicht zahlen zu müssen. Man stellt sich unwillkürlich vor, wie sich Familie Ochsenknecht nun allabendlich in trauter Runde vor dem Bildschirm versammelt.

Die sehr sehr blonde Brigitte Nielsen, sie sich vor Fernsehkameras auch schon Schönheitsoperationen unterzog, berichtete, wie sie ihren Ex-Mann Sylvester Stallone aufgerissen hat (was unsinniger- und seltsamerweise die anderen im Interview vor der Kamera noch mal haarklein erzählten), sowie über die „Schrumpfhoden“ dieses „Rammlers“. Die ganze Runde diskutierte über die Dauer des weiblichen Orgasmus: „Ein Orgasmus ist ja nicht nur der Moment, wo du ah, ah, ah sagst, sondern alles, was danach kommt.“ (Jazzy, Ex Tic-Tac-Toe)

Rocco („der Halbbruder von Fanta Mango und Speedy Gonzales“) und Kim teilen jedenfalls schon mal die Luftmatratze. „Ich denke, ich werde als neuer Mensch rauskommen“, mutmaßte die Vierte der DSDS-Staffel 2010, „ich brauch eigentlich nichts zu beweisen, aber ich werd’s machen“. Zunächst bewies sie bei ihrer Dschungelprüfung, dass sie ihren Kopf nicht unter Wasser zu tauchen bereit ist.

„Momo“-Darstellerin Radost Bokel erklärte ihre unflätige Sprache mit ihrer Frankfurter Herkunft: „Da kommt gleich die Gosse hoch.“ Ganz ordentliche Chancen hat vermutlich Ex-ZDF-„Fernsehgarten“-Moderatorin Ramona Leiß mit eher natürlichem, mütterlichem Charme und einem laut Dirk Bach dschungelcamp-untypischem Lebenslauf: „teilweise sogar feste Berufe und Engagement“.

Amüsante Szenen und „viel Emocion“ verspricht „das Aílton“, der knuffige Ex-Bundesliga-Torschützenkönig mit der brasilianischen Flagge als Luxusartikel: „Ich hab ein Blut, ich hab ein Herz.“ Aha. Und ziemlich viel Gewicht.

Bei Ex-Casting-Kandidat Daniel Lopes fürchtet man, der ständig einsatzbereite RTL-Psychologe müsse alsbald tätig werden. „D.Lo“, wie er von den Moderatoren in Anspielung auf Hollywood-Star Jennifer Lopez (J.Lo) unaufhörlich verspottet wird, war Kandidat beim „Supertalent“ und bei „DSDS“, wo er 2002 Siebter wurde. Von diesem „Ruhm“ zehrt er heute noch. 600000 Euro hat „das tapfere Aufschneiderlein“ (Dirk Bach) angeblich verprasst, inzwischen ist seine Lebenseinstellung: „Ich versuch viel zu geben.“ Geradezu biblisch wurde er, als er sich nach einem Streit mit Ochsenknecht-Filius Rocco („der Halbbruder von Jim Knopf und Wikidepia“) versöhnte: „Am 14. Tag wirst du eher mich verleugnen als ich dich.“

Wir werden sehen.

Von Mark-Christian von Busse

Rubriklistenbild: © dpa

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