Erster in allen Disziplinen: Die Band Kraftklub in Kassel

Versteht sich blendend mit dem Publikum: Kraftklub-Sänger Felix Brummer in der Kasseler Stadthalle. Foto: Fischer

Kassel. Wie die Kasseler Pop-Helden Milky Chance schaffte es die Chemnitzer Band Kraftklub, ohne nach Berlin zu ziehen. Ihr Konzert in der Kasseler Stadthalle war ein Ereignis.

Wenn man meint, auf Konzerten schon alles gesehen und gehört zu haben, wird man von Kraftklub eines Besseren belehrt. Als die Fans in der Kasseler Stadthalle gerade auf die erste Zugabe der Chemnitzer Band warten, kehren die fünf Musiker nicht auf die Bühne zurück, sondern stehen plötzlich auf der anderen Seite inmitten der Masse und spielen ihren Hit „Deine Gang“.

Anschließend lassen sie sich von den Händen der Fans zurück zur Bühne tragen. Kraftklub haben damit das „Wettstagediven“ erfunden, wie Sänger Felix Brummer stolz verkündet, als er als Erster wieder die Bühne erreicht hat.

Die Musik hat die 2010 gegründete Formation nicht neu erfunden. Sie spielt zackigen Indierock, der wie eine deutsche Version von The Hives klingt. Und trotzdem sind Kraftklub einzigartig. In den Songs sprechsingt Felix Brummer (25) so unpeinlich über das Jung- und Dagegensein, dass man es selbst dann cool findet, wenn man schon älter ist.

Nachdem das zweite Album „In Schwarz“ auf Platz eins der Charts landete, ist die Hälfte der Tour ausverkauft oder in größere Hallen verlegt worden. In Kassel wurde gleich die große Stadthalle gebucht, die mit 2700 Fans voll ist. Vor vier Jahren hatten Kraftklub noch vor 350 Leuten im K 19 gespielt. Dem Studentenclub widmen sie nun den Song „Meine Stadt ist zu laut“.

Ihre Show ist eine perfekte Choreografie - vom Outfit mit schwarzen Polo-Shirts und Hosenträgern über Konfettifontänen bis zu Ballersalven bei „Schüsse in die Luft“, das vom Rechtsruck handelt. Mit der Vorband Gin Ga covern sie zudem gekonnt den Punk-Klassiker „Blitzkrieg Bop“

Aber nicht nur wegen dieser Rockstar-Qualitäten tanzen die Fans wie wild Pogo und singen jede Zeile von Hits wie „Ich will nicht nach Berlin“ mit. Der Erfolg von Kraftklub basiert auch darauf, dass Felix Brummer, sein Bruder Till sowie Steffen Israel, Max Marschk und Karl Schumann wie wir geblieben sind. Gäbe es eine Disziplin, die Authentizität hieße, würden Kraftklub auch hier gewinnen.

Kraftklub in der Stadthalle Kassel

Einmal lässt sich Felix Brummer das Handy eines Besuchers geben und telefoniert mit dessen Kumpel, der gerade zu Hause Mathe lernt. Sehr zur Freude aller, die mithören können. Am Ende eines schweißtreibenden Abends fordert er alle auf, das T-Shirt auszuziehen. Selbst einige Mädchen tanzen zu „Scheißindiedisco“ oben ohne.

„Du musst nicht aus Berlin kommen, um fetzige Musik zu machen“, hatte Felix Brummer im Vorfeld unserer Zeitung gesagt. Man kann auch aus Chemnitz oder Kassel kommen wie Milky Chance. Wer das dann nicht mitbekommt, ist selbst schuld. Am Morgen nach dem Konzert twitterte eine 21-Jährige aus Kassel: „Ich beschwer mich immer, dass keine guten Bands in meine Nähe kommen und dann sind Kraftklub in meiner Stadt und ich geh nicht hin.“ Sie hatte es schlicht nicht gewusst. Nun muss sie Anfang August zum Eschweger Open-Flair-Festival. Auch dort werden Kraftklub auftreten - und sicher mit neuen Erfindungen überraschen.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.