Unsere Kritik zu "Das rote Kleid"

Erster Roman von Guido Maria Kretschmer: Handlung ist dürftig

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Über weite Teile seines ersten Romans „Das rote Kleid“ passiert wenig: Guido Maria Kretschmer.

Zwei Bestseller hat der beliebte Designer Guido Maria Kretschmer bereits geschrieben, im März ist sein erster Roman erschienen. Eine Kritik. 

In Romanen und Filmen wurde schon vieles zum Leben erweckt: Autos zum Beispiel, oder Tiere und Gemälde. Guido Maria Kretschmer hat in seinem ersten Roman passend zu seinem Beruf als Modedesigner Kleider sprechen lassen – und im 254 Seiten starken Buch „Das rote Kleid“ tun diese auch nicht viel mehr, als sich zu unterhalten.

Im Mittelpunkt steht Anascha, nach der der Roman benannt ist. Sie ist ein rotes Kleid aus Seide und wird als Anfertigung für eine Schauspielerin in einem deutschen Modeatelier genäht. Bald kommt sie an das Filmset, wo sie sich mit anderen Kostümen anfreundet. Während Anascha darauf wartet, anprobiert zu werden, erzählen ihre Freunde vom Leben als Kleidungsstück. Als das rote Kleid plötzlich zusammen mit anderen Kostümen entführt wird, müssen alle zusammenhalten, um sie zu retten.

Bis es soweit ist, muss sich der Leser durch dutzende Gespräche der Kleider quälen, die oft darauf hinauslaufen, dass Menschen gut mit ihrer Kleidung umgehen sollen. Diese Botschaft wird so häufig wiederholt, dass man schon fast ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man am Abend seine Klamotten nicht ordentlich zusammengefaltet in den Schrank legt. Die Sprache von Guido Maria Kretschmer ist sehr einfach gehalten und beinhaltet leider deutlich zu viele Sprüche wie „Nur der frühe Faden fängt das Öhr“ oder „Jetzt platzt mir aber gleich das Garn!“.

Dass Kleidung ein Eigenleben führt, hätte viel mehr Potenzial gehabt. Menschen können die Stimmen aber weder hören, noch bekommen sie mit, dass die Kostüme sich selbstständig bewegen können. Nur solche mit dem gewöhnungsbedürftigen Titel „Stofflinge“ können eine besondere Verbindung zu den Textilien aufbauen. Und so passiert über weite Teile des Buches wenig, Anascha hängt in der Garderobe. Ereignisse, die spannend oder interessant hätten werden können, wie ihr Einsatz im Film, werden schnell abgehandelt und spielen keine große Rolle.

Ebenso am Rand eingeworfen wird eine obligatorische Kritik an Pelzkleidung und eine Liebesgeschichte zwischen zwei Schauspielern, die vor allem am Schluss konstruiert und unrealistisch wirkt.

Sehr gelungen sind Kretschmers Illustrationen der im Buch vorkommenden Kleider, auf sie kann man sich freuen, wenn die Kapitel wieder zu langatmig werden.

Guido Maria Kretschmer: Das rote Kleid. Goldmann, 254 S., 14 Euro, Wertung: zwei von fünf Sternen

Infos zu Guido Maria Kretschmer

Guido Maria Kretschmer (52) ist Modedesigner und TV-Moderator. Er begann seine Karriere vor allem mit der Kreation von Uniformen für Unternehmen. Seit 2012 präsentiert er auf Vox die Sendung „Shopping Queen“, bei den Zuschauern ist er wegen seiner persönlichen Art sehr beliebt. Kretschmer war zudem in Formaten wie „Das Supertalent“ zu sehen und entwirft neben Kleidung auch Schmuck und Möbel. Er schrieb zwei Sachbücher, beide waren Bestseller.

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