Bandmitglied ist Kasseler Kunsthochschul-Absolvent Azhar Syed

Kölner Duo Vimes: Ein Debüt aus einem Guss 

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Vimes: Azhar Syed (links) wuchs in Wabern auf, studierte in Kassel, Julian Stetter kommt aus Schwaben.

Azhar Syed vom Kölner Duo Vimes kommt es vor, als sei eine Last von seinen Schultern genommen. Eineinhalb Jahre haben der 34-Jährige und sein Freund und Musikerkollege Julian Stetter am ersten Album gebastelt.

„Nights in Limbo“ ist ein facettenreiches, souveränes Debüt, angesiedelt zwischen Elektro- und Indiepop, „Listening Techno“ und sehr dezentem House. Melancholisch, aber tanzbar, und von geradezu hypnotischer Wirkung.

Das Duo

Azhar Syed, 1981 als Kind indischer Ärzte in Nigeria geboren, ist mit seiner Familie über die Stationen Wien und Wabern nach Kassel gekommen. Der Abiturient der Fritzlarer König-Heinrich-Schule hat hier die Kunsthochschule absolviert. Syed begann im Studiengang Visuelle Kommunikation im Bereich Illustration und Trickfilm, entwickelte aber immer intensiveres Interesse an Klängen, an Sounddesign, steuerte für Filme von Kommilitonen Soundtracks bei. Seinen Abschluss machte er in den Neuen Medien bei Joel Baumann, sein Zweitprüfer war Klangkünstler Wolfram Spyra.

Während eines Praktikums in Köln beim Musikmagazin „Intro“ freundete er sich mit einem anderen Praktikanten, dem Musikwissenschaftler Julian Stetter aus der Nähe von Stuttgart, an. Beide zogen in eine WG, spielten in Gitarrenbands. Irgendwann fingen sie an, zusammen Musik zu machen. So entstanden die Vimes.

Die Konzerte

Karten für den Auftritt am 16. April, Kulturzentrum Schlachthof, Kassel: Tel. 0561/203204.

„Es gibt nicht den einen Weg“, weiß Syed. Milky Chance aus Kassel schafften es dank Youtube. Die Vimes traten live auf, erspielten sich ein Publikum - und machten sich so einen hervorragenden Namen. Auch international. Tourneen in Mexiko (als Support für Hot Chip) und den USA haben sie absolviert, sie spielten bei Festivals in Groningen, Brighton und beim SXSW in Austin, Texas. Seit 2012 tritt Schlagzeuger Johannes Klingebiel live mit ihnen auf. Stetter, der auch als DJ auflegt, spricht in Interviews von einem „ganz schön komplizierten Set-up“. „Ich singe, alles andere machen wir zusammen“, erläutert Syed: „Klassische Songstrukturen und Musik in Clubs - wir kombinieren das Beste aus beiden Welten.“ Fixpunkte für beide sind The Notwist und Thom Yorke von Radiohead.

Das Album

Über die Jahre waren einzelne Tracks („Celestial“, „House of Deer“, „Upstairs“) und fantastische Videos erschienen. Das Berghain in Berlin kündigte bereits 2013 „die nächste Pop-Entdeckung vom Rhein“ an. Die erste Platte aber ließ auf sich warten. Je mehr Menschen fragten und warteten, desto höher stieg der Druck. Mit dem über die Jahre aufgenommenen „Wust an Material“, so Syed, half Produzent Jochen Naaf (Peter Licht, Polarkreis 18, Bosse, Xul Zolar, Hundreds). Die Vimes schotteten sich ab, um das Album abzuschließen.

Beide machen zurzeit ihren Master in Musikproduktion, dabei sind die Vimes ein Vollzeitjob. Das Erscheinungsbild, „für das andere viel Geld ausgeben“, wie Syed sagt, ist Familiensache. Stetters Schwester, Grafikdesignerin in New York, nahm als Grundlage Fotos von Syeds Vater Mobasshar aus den 70ern aus Indien. Booking und PR dagegen übernehmen Agenturen. Im März beginnt die Tour, mit dem Heimspiel in Kassel ganz zum Schluss.

„Alles sehr aufregend“, sagt Syed, aber jetzt auch „entlastend und befreiend“: „Wir haben alles gemacht, es liegt nicht mehr in unserer Hand, ob die Welt das gutheißt.“ Sieht ganz danach aus: Apple hat die Vimes im neuen Streamingdienst neben AnnenMayKantereit als „Newcomer im Spotlight“ ausgewählt. Und britische Blogs schwärmen von den treibenden Bässen, den schwebenden Harmonien, Syeds geisterhaft-ätherischem Gesang.

Vimes: Nights in Limbo (Humming Records/Rough Trade), Wertung: Fünf von fünf

Von Mark-Christian von Busse

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