Erwachsen werden mit dem King: „Mein innerer Elvis“ am Deutschen Theater

Die Frisuren sitzen: Antje (Kathrin Müller, rechts) will ihr Idol Elvis in Graceland treffen und begibt sich mit Nelly (Marie-Thérèse Fontheim) auf eine abenteuerliche Reise. Foto: Winarsch

Göttingen. Elvis lebt! Das glauben tausende Fans des Kings of Rock n’ Roll, so auch Antje. Doch Antje ist darüber hinaus noch fest davon überzeugt, dass ihr der King leibhaftig an seinem 33. Todestag etwas für sie Lebenswichtiges mitteilen wird.

Denn der Tag ist gleichzeitig ihr 16. Geburtstag. Nun muss sie es nur noch schaffen, dann auch in Graceland zu sein.

Den Familienurlaub in Amerika nutzt Antje mit ihrer Freundin Nelly, um abzuhauen und sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch Amerika nach Graceland zu begeben. Antje wird erst 16 und fühlt sich dick, dumm und ungeliebt. Aus diesem Dilemma kann ihr nur Elvis den richtigen Weg weisen, davon ist sie überzeugt. Am Ende der Reise steht für Antje die Erkenntnis, dass ihr eigener innerer Elvis es war, der sie hat ein Stück erwachsener werden lassen.

Mit der Uraufführung der Bühnenfassung zu Jana Scheerers preisgekröntem Jugendroman „Mein innerer Elvis“ hat das Junge Schauspiel des Deutschen Theaters Göttingen am Samstag im Beisein der Autorin die neue Saison im Studio eröffnet. Joachim von Burchard, der künstlerische Leiter des Jungen Schauspiels, hat mit der Inszenierung nach der Fassung und Dramaturgie von Nicola Bongard und in der Ausstattung von Jeannine Simon wieder eine glückliche Hand bei der Auswahl von bühnenreifen Romanen bewiesen.

Drei drehbare, gepolsterte Inseln stellen das Bühnenbild dar, dienen im schnellen Wechsel mal als Wohnort, mal als Fahrzeug und ziehen die an diesem Abend durchweg erwachsenen Zuschauer unweigerlich in die Dynamik dieses Road-Trips von den Niagara-Fällen, über Pittsburgh und Louisville bis nach Memphis hinein. Unterstützt durch viel Elvis-Musik, die von Jan Exner bearbeitet wurde, erhält das Stück eine Schnelligkeit, die leider die Szenenwechsel manchmal etwas unmotiviert erscheinen lässt.

Müllers guter Einstand

Im Ablauf und in den Dialogen lehnt sich das Bühnenstück stark an die Buchvorlage an, ohne jedoch ganz die Tiefe des Romans zu erreichen. Dies wird besonders in der Figur der Antje deutlich, hervorragend dargestellt durch Kathrin Müller, die hiermit ihren Einstand am DT gibt. Auf der Bühne sehen wir Antje eher als auf sich und ihre Umwelt wütendes junges Mädchen, ihre Traurigkeit und ihr Gefühl, Außenseiterin zu sein, gehen hier etwas verloren.

In den weiteren Rollen sind Imme Beccard zu nennen, die es versteht, die überdrehte Mutter und auch weitere kleine Nebenrollen herrlich komisch darzustellen, und Jan Exner als gleichzeitig zu Phlegma und Wutausbrüchen neigender Vater. Marie-Thérèse Fontheim spielt Antjes Freundin Nelly zunächst typisch amerikanisch cool und dann zunehmend auch als ein in sich brüchiges Mädchen.

Insgesamt eine gelungene Aufführung mit hohem Unterhaltungswert, wofür Schauspielern und Machern gleichsam lang anhaltender Applaus gezollt wurde.

Weitere Aufführungen am 12., 21. und 30. Oktober. Karten: 0561-496911.

Von Carmen Barann

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