Ex-„Blumfeld“-Sänger Jochen Distelmeyer im Schlachthof mit neuer Solo-CD „Heavy“ zu Gast

Erwachsener und nachdenklicher

Mit Blumfeld Wegbereiter für deutschsprachigen Rock: Jochen Distelmeyer. Foto: Fischer

Kassel. Am vergangenen Donnerstag machten die ehemaligen Trainingsjackenträger von Tocotronic in den Nachthallen den Anfang. Am heutigen Samstag nun eine weitere Legende der sogenannten „Hamburger Schule“ im Kulturzentrum Schlachthof.

Jochen Diestelmeyer, den meisten als Sänger und Kopf der Band Blumfeld bekannt. Diese wurde vor drei Jahren und nach sechs Alben aufgelöst, seitdem ist Jochen Diestelmeyer solo unterwegs, was allerdings nur halbwegs stimmt.

Zusammen mit seinen vier Mitstreitern betritt er die Bühne, und das Konzert beginnt mit einem Feedbackgewitter, das so manchen erstaunten Blick im Publikum auslöst, denn Blumfeld und somit auch Diestelmeyer waren zuletzt doch eher für weiche Musik bekannt, die eher an Schlager als an Rock erinnert hat.

Das erste Soloalbum „Heavy“ wird vorgestellt. Und schwer beginnt auch das Konzert mit dem Song „Wohin mit dem Hass?“. Erstaunlich rockig geht es weiter, „Ich - wie es wirklich war“ vom ersten Blumfeld Album „Ich-Maschine“ wird ins Programm eingewoben, und auch andere Klassiker aus alten Zeiten finden zwischendurch immer wieder Platz.

Auch schnulzige Töne

In der Mitte des Konzertes allerdings hört man auch die schnulzigen Songtexte vergangener Tage, und so sehr die Gitarrenwände auch über die Texte gelegt werden, ist das Bemühen, die Anfänge der Karriere einzuholen, vielleicht doch manchmal zu viel. Weniger ist manchmal mehr.

Als das Publikum dann zum Mitmachen und rhythmischen „Hey“-Rufen animiert wird, ist die Stimmung auf dem Höhepunkt, Diestelmeyer gibt ganz den Entertainer, und man könnte es fast Tanzen nennen, was er auf der Bühne aufführt. Nach knapp zwei Stunden und einigen Zugaben verlässt die Band unter großem Jubel ein letztes Mal die Bühne. Laut war es im gut gefüllten Schlachthof. Nett und aufgeräumt hat er gewirkt, der Herr Diestelmeyer. Irgendwie ist sie immer noch da die „Hamburger Schule“, vielleicht nicht mehr mit so viel Wut im Bauch, aber erwachsener und durchdachter.

Von Henning Beste

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