Stolle und Band spielten gut drei Stunden im ausverkauften Theaterstübchen

Der Erzähler des Blues

Alles klar: Thomas „Stolle“ Stolkmann brachte mit seiner Band die Stimmung im dicht gedrängt stehenden Publikum zum Kochen. Foto: Malmus

Kassel. „Kennt ihr den Gerichtsvollzieher? Der stand früher oft vor meiner Tür. Am Ende mit der Polizei. Tja, die tun ja auch nur ihre Arbeit.“ Lässig trat Stolle am Freitagabend mit seiner Band auf die Bühne des Theaterstübchens. Im Gepäck wie immer ungeschminkte, aus dem Leben gegriffene Songs.

So die Eigenkomposition „Bailiff“, auf Deutsch: Gerichtsvollzieher, oder das bittere „I was born in the Ghetto“, das vom rauen Wind seiner Kindheit handelt. Über seine Vergangenheit nimmt Thomas „Stolle“ Stolkmann kein Blatt vor den Mund. Aufgewachsen im Heim, Drogensucht und finanzieller Ruin. Er hat seine Geschichte zu Geschichten vertont und ist zum Lokalmatador der Kasseler Bluesszene geworden. Und seine Fans sind ihm treu.

Die waren denn auch äußerst zahlreich erschienen. Dicht gedrängt stand man im Publikum, schrill und mitreißend klang es von der Bühne: Sergej Weigandt weltschmerzte auf dem Saxofon. Ralf Liebelt spielte schwebende Akkord-Tremoli auf dem Piano zu Björn Botts präzisen Drumschlägen. Der charmante Ben Smith am Bass brachte authentisches amerikanisches Flair ins Ensemble.

Stilecht röhrte Stolle die Evergreens aus Soul, Funk und Blues, dass die Pfiffe und Zwischenrufe nur so schallten. So bei „Papa was a Rollin’ Stone“ von den Temptations und besonders bei James Browns legendärem „It’s a man’s world“, bei dem die Zuschauer kaum noch zu halten waren. Zwischendurch plauderte Stolle über die Widrigkeiten der Welt, über Geld, Macht und Hartz IV, die ihn zu einer ganzen Reihe eigener Stücke inspiriert haben.

Überhaupt schien er immer auf der Suche nach Geschichten zu sein: „Darf ich wissen, worum’s geht?“, fragte er mit frechem Grinsen zwei Damen aus der ersten Reihe, die sich gerade unterhielten. Es folgte ein schäkernder Schlagabtausch. Sicher lag es nicht zuletzt an der ständigen, flachsigen Kommunikation mit dem Publikum, dass die Stimmung am Ende des Konzertes nach gut dreieinhalb Stunden immer noch am Kochen war.

Von Carolina Rehrmann

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