US-Gitarrist Andy McKee war zu Gast im Institut für Musik

Erzähler ohne Worte

Beeindruckend: Andy McKee. Foto: Lischper

Kassel. Wer die Gitarre als seinen besten Freund bezeichnet, muss wohl auch mit ihr sprechen. So machte es zumindest Andy McKee, der auf seiner „Mythmaker“-Tour Freitagabend in Kassel auftrat. Der Gitarrist spielte im überfüllten Konzertsaal des Instituts für Musik und führte einen 90-minütigen Dialog mit seinem Instrument.

„Nimm das“ – McKee stimmt seine Gitarre und legt los. Bei bloßer Zupftechnik bleibt es nicht lange, nach wenigen Minuten zeigt er die Vielfalt des Klangkörpers mit einer Adaption des Toto-Hits „Africa“. Die Komposition für Keyboard, E-Gitarre und Perkussion vereint McKee in einer Gitarre. Präzise und beidhändig spielt er Melodie und Bass-Part, baut perkussive Elemente ein, indem er mit der Faust auf dem Gitarrenkörper Rhythmus erzeugt.

Mal haut er kräftig in die Saiten, mal senkt er die Lautstärke aufs Nötigste. Beeindruckend. Seine Gitarre und er sind nicht zu trennen – zwei Freunde, die sich etwas erzählen. Das Publikum spürt die Verbundenheit: Köpfe und Füße wippen mit, jedem Ton wird bis zum Verklingen gelauscht. Erst wenn der verschmitzte Blick des Gitarristen sich hebt, dröhnt Applaus durch den Saal.

Andy McKee, 1979 in Topeka im US-Bundesstaat Kansas geboren, bekam seine erste Konzertgitarre zum 13. Geburtstag. Mit der E-Gitarre coverte er seine Lieblingsbands, ehe er, inspiriert vom Fingerstyle-Virtuosen Michael Hedges, eigene Stücke komponierte. Seine Bekanntheit ist wohl Youtube zu verdanken, wo sein Stück „Drifting“ zu einem der meistgeklickten Videos wurde.

„Mythmaker“ widmete er seinen beiden Söhnen, neben der Musik Sinn seines Lebens. Auch der wird thematisiert, zum Beispiel in „Rylynn“, das vom Tod der Tochter eines Freundes handelt. McKee lässt sich gern von Menschen in seinem Umfeld inspirieren. Und setzt seine Inspiration stets eindringlich, aber nie aufdringlich um, mal faszinierend schnell, mal in Trance versetzend langsam. McKee ist ein wunderbarer Geschichtenerzähler – ganz ohne Worte.

Von Anna Lischper

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