Clint Eastwood prägt als Schauspieler und Regisseur seit über 50 Jahren das US-Kino - Heute wird er 80

Der Erzamerikaner

Er gilt als der amerikanischste aller Regisseure und Darsteller. Als der Mann, der die Mythen des stolzen Landes lebendig hält - der aber auch die Abgründe entlarvt, die mit diesem Stolz kaschiert werden sollen. Clint Eastwood hat in über 50 Jahren in 65 Filmen gespielt und 31 gedreht. Vier Oscars stehen in seinem Regal. Heute wird der Mann mit dem kantigen Gesicht 80 Jahre alt. Dass er bereits mit Mitte 60 für sein Lebenswerk geehrt wurde, ließ ihn schmunzeln.

Sein Vater war Stahlarbeiter. Nach der Schule schlug Clint sich als Rettungsschwimmer und Pool-Ausheber durch. Bis er 1959 eine Hauptrolle in der Westernserie „Rawhide“ ergatterte. Und weil er Lust hatte, Europa zu sehen, ließ er sich 1964 von Sergio Leone für eine lausige Gage für einen Spaghettiwestern engagieren, der alles veränderte. Seine wichtigsten Lebensstationen:

Der Westernheld

Mit Italo-Western wie Leones „Für eine Handvoll Dollar“ (1964) oder „Zwei glorreiche Halunken“ (1966) und später auch in Filmen wie „Erbarmungslos“ (1992, auch Regie) revolutionierte Eastwood den Western. Er führte ihn in Abgründe von schweigsamer Brutalität. Sein minimalistisches Spiel nahezu ohne Mimik und oft als Figur des rätselhaften Fremden riss die Spannung auf einen Höchstpegel: neue Kraft für das amerikanischste aller Filmgenres.

Der Cop mit eigenen Regeln

Eastwood-Biograf Richard Schickel (siehe Servicetext) bezeichnet die „Dirty Harry“-Filme (ab 1971) als Eastwoods Wechsel vom Star zum Superstar. Eastwood spielt unter Don Siegels Regie mehrfach den Polizisten Harry Callahan, einen zynischen Typen, der nach eigenen Regeln für Ordnung sorgt. Das Erstaunliche: Schon nach wenigen Szenen sind wir auf seiner Seite, egal wie unkonventionell er mit seiner Magnum agiert. Das ist beeindruckende Leinwandpräsenz.

Der Regisseur

1971 stand Eastwood mit „Sadistico“ erstmals hinter der Kamera, für einen Film über das gefährliche Ende einer Affäre. Mehr und mehr wandte er sich in handwerklicher Gediegenheit Projekten zu, die ihm persönlich wichtig waren. 1988 kam „Bird“ über Jazzlegende Charlie Parker, 1995 die Liebesromanze „Die Brücken am Fluss“ - Mit 65 spielte Eastwood seine erste echte Lovestory. Aufsehen erregte 2006 sein anti-ideologisches Doppelprojekt über den US-japanischen Krieg. „Flags of our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“ erzählen dieselbe Kriegsepisode einmal aus amerikanischer und einmal aus japanischer Sicht (also des früheren Feindes).

Der Altmeister

Mit „Gran Torino“ verabschiedete sich Clint Eastwood 2009 von der Leinwand. Als mies gelaunter Kriegsveteran Walt Kowalski überwand er seine Vorbehalte gegen die asiatischen Nachbarn und half ihnen gegen fiese Gangs. Wie hintergründig Eastwood als Walt seine eigenen früheren (Anti-)Heldenrollen reflektierte, machte ihn vollends zur amerikanischen Filmikone.

Sein neuestes Projekt heißt „Hereafter“ und ist ein Mystery-Thriller im Stil von „Sixth Sense“. Nur vor die Kamera will er nicht mehr.

Eastwood ist zum zweiten Mal verheiratet, hat sieben Kinder von fünf Frauen und zwei Enkel. In den 80ern war er einige Jahre Bürgermeister der kalifornischen Stadt Carmel, wo er bis heute lebt.

Von Bettina Fraschke

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