Sie erzeugten Magie in eisigen Höhen: Polarkreis 18 im Kasseler Kulturzelt

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Komplex und eingängig zugleich: Countertenor Felix Räuber von Polarkreis 18 beim Auftritt in Kassel.

Kassel. In dem magischen Moment, der aus jedem guten Konzert ein außergewöhnliches macht, steht Felix Räuber auf einer Getränkekiste. Der Sänger der Dresdner Rockband Polarkreis 18 hatte die Bühne des Kasseler Kulturzelts verlassen und tauchte nach kurzer Zeit mitten im Publikum auf.

Es wird ganz still im Rund, als sich Räuber auf den Kasten stellt und ohne Mikro die Hymne „Evergreen“ über eine ewige Liebe singt.

Dieser Moment hätte ruhig ewig dauern können, wobei es dann die ein Dutzend anderen magischen Momente beim Auftritt des Quintetts nicht gegeben hätte. Wer Polarkreis 18 vor ziemlich genau vier Jahren beim bislang letzten Kasseler Auftritt im Club A.R.M. gesehen hatte, musste sich fragen: Ist das eigentlich noch die gleiche Band? Damals spielten die Musiker Autisten-Rock mit endlosen Soli und verließen zwischendurch minutenlang einzeln die Bühne. Ihre Lieder klangen, als hätten Radiohead sehr viel Techno gehört.

Mittlerweile haben Polarkreis 18 mit „Allein Allein“ einen Nummer-eins-Hit gelandet und ihren Stil geändert. „Unsere Musik soll möglichst viele Leute erreichen“, sagte Räuber unserer Zeitung im vergangenen Herbst, als das dritte Album erschien, das von Franz Schuberts „Winterreise“ inspiriert ist und dessen melodischer Pop an a-ha erinnert. Es ist rätselhaft, dass das bombastische „Frei“ so grandios gefloppt ist, denn die Musik ist komplex und eingängig zugleich.

Im gut gefüllten Kulturzelt spielen die Bandmitglieder, die sich einen Tag später in den Urlaub verabschieden, ein Set, als sollte es wirklich ihr letztes sein. Zu Beginn zieht Räuber, der mit seinen blonden Locken wie der Schauspieler Matthias Schweighöfer aussieht, mit einer Wunderkerze durchs Publikum auf die Bühne, wo er bekennt: „Ich will eure Liebe.“ Die bekommt er von Alt und Jung gleichermaßen.

Bei „Dreamdancer“ stehen die Musiker eine halbe Minute lang wie eingefroren auf der Bühne, ehe Räuber springt, schreit und das rockende Finale einleitet. Als Zugabe singt der Countertenor, der auch Sopranhöhen schafft, eine Händel-Arie im Publikum. Zur „Unendlichen Sinfonie“ dürfen die Fans auf die Bühne. Und am Ende gibt es für die erste Reihe Freibier. Selbst aus ein paar Bierflaschen machen Polarkreis 18 einen magischen Moment.

Von Matthias Lohr

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