Erziehung für Dummies: Vox-Dokusoap „Mein Kind, dein Kind“

Schaut fern, wann er will und hat ein eigenes Tablet: Der dreijährige Richard mit Mutter Agnieszka und deren Mann Marius. Foto: Vox

Bei der Erziehung lässt sich niemand gern kritisieren - denn Eltern wollen das Beste für Ihr Kind. Die Vox-Dokusoap "Mein Kind, dein Kind" gibt interessante Einblicke in fremde Familien.

Bei der Erziehung anderer Kinder ist es wie mit der Fußball-Nationalelf: Fast jeder fühlt sich als Bundestrainer und meint, er könne es besser als die anderen Mütter und Väter. Genau darauf setzt Vox in seiner neuen Dokusoap „Mein Kind, dein Kind - Wie erziehst du denn?“, die seit gestern jeden Nachmittag läuft.

Das Prinzip ist einfach: In jeder Folge werden zwei Elternteile mit ihren gleichaltrigen Kindern und unterschiedlichen Erziehungsstilen zusammengebracht. Am Ende urteilen die einen über die anderen, und zwischendurch kommentieren weitere Eltern, Familien und kinderlose Paare auf dem Sofa die Szenen. Denn in jedem von uns steckt eine Supernanny. Die Experten sind wir selbst.

Zum Auftakt am Montag klappte die Konfrontation der Gegensätze schon gut: Erzieherin Madlen (28) hat für ihre dreijährige Tochter Neele klare Prinzipien: gesundes Essen, Aufräumen, kaum Fernsehen. Die Meteorologin Agnieszka (32) dagegen lässt ihrem Sohn Richard größtmögliche Freiheiten. Er darf sich Süßigkeiten nehmen, wann er will, hat einen Fernseher im Kinderzimmer und sogar ein eigenes Tablet. „Er setzt sich seine Grenzen selbst“, sagt Agnieszka, die seit drei Jahren zu Hause ist, um sich ganz um Richard zu kümmern. Wenig später wirft ihr der Kleine Legosteine an den Kopf, während sie sich mit Madlen im Kinderzimmer unterhält. Immerhin muss der hyperaktive Junge danach kurzzeitig sein Tablet abgeben.

Die Familien und Paare, die die Szenen zu Hause auf dem Sofa kommentieren, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen: „Zu viel Freiheit, das ist nicht gut“, sagt ein 80 Jahre alter Großvater. Ein Familienvater meint: „Das Kind hat die Mutter voll im Griff.“

Am Ende rät Madlen der überforderten Helikopter-Mama Agnieszka, ihren Sohn in die Kita zu geben. Dort hatte sie ihn zuvor nach drei Tagen abgemeldet, weil sich der kleine Richard nicht wohlfühlte.

Die erste Folge war unterhaltsam, aber auch wenn man kein Pädagoge ist, stellt man sich am Ende mehrere Fragen: Kann die Kita wirklich Probleme lösen, wenn zu Hause alles schiefläuft? Welches Rollenbild haben Vox und die Produktionsfirma Imago TV, die die Väter hier völlig außen vor lassen?

So bleibt vor allem die Erkenntnis, die schon der britische Reformpädagoge Alexander S. Neill formulierte: „Es gibt kein problematisches Kind, es gibt nur problematische Eltern.“

 

In den nächsten vier Wochen werktags, 14 Uhr, Vox.

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