Programm punkt.genau zum Abschluss der Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“

Erzwungen ernsthaft

Klangkunst trifft Sprachkunst: Künstlerin Lioba Abrell mit ihren Stoffobjekten (von links), Vokalistin Gabriele Hasler, Sprecherin Gabriele Heppe-Knoche und Musiker Olaf Pyras in der Alten Brüderkirche. Foto: Koch

Kassel. „Fragst du schon, oder hörst du noch? Hörst du schon, oder fragst du noch?“ Mit diesem Wortspiel als thematische Überschrift hinterließen der Schlagwerker Olaf Pyras, die Stimmwerkerin Gabriele Hasler und Vorleserin Gabriele Heppe-Knoche bei ihrem gut besuchten Abschlusskonzert der Reihe „Achtmal Brüderkirche“ am Sonntag einen ambivalenten Eindruck.

Neue Musik ist meistens Kopfsache. Eine Kunstform, die, mit philosophischen und psychologischen Komponenten durchsetzt, konventionelle Hörgewohnheiten durchbricht.

Es ist die erzwungene Ernsthaftigkeit, das notierte Pathos, die zur Schau gestellte Überlegenheit der Idee über die Physis, die die Grenze zur Beziehungslosigkeit und Groteske bei Neuer Musik ganz nah erscheinen lässt.

Textzeilen wie „Die schwarzen Ohren des schwarz-weißen Hundes neben dem Fahrrad in Holland“ repetierte Hasler immer wieder in das Kirchenschiff hinein, während Pyras Schmirgelpapier zerriss, Wasser in einer Betonmischwanne in Behälter umfüllte, Metallblöcke aneinanderschlug oder ein Glockenspiel bediente.

Hätte man dabei auf die ernsten Mienen, die Notenblätter und die klassische Körperhaltung verzichtet, hätte sich das Publikum ein Schmunzeln nicht verkneifen müssen und auch die Spaßband Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi hätte ihren Spaß gehabt.

Dass man bei den Kompositionen „The Wonderful Widow Of Eighteen Springs“ und „Forever And Sunsmell“ von John Cage natürlich nicht den Clown mimt, versteht sich von selbst. Die vertonten Texte von E. E. Cummings und James Joyce benötigen Seriosität, um in ihrer poetischen Dimension erfahrbar zu bleiben. Ergänzend zu Musik und Texten gab es noch Stoffobjekte von Lioba Abrell.

Alles zusammen wirkte ein wenig banal und emotionslos und einzig die beeindruckende Raumakustik verlieh der künstlerischen Qualität keine Ausrufezeichen.

Von Andreas Köthe

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