Eurovison Song Contest am Samstag in Wien

ESC-Hoffnung Ann Sophie: "Ich will unter die ersten zehn"

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Ann Sophie

Sie ist Nachrückerin für Andreas Kümmert, der keinen Bock auf den Eurovison Song Contest hatte. Aber Samstag drücken wir Ann Sophie die Daumen. Ihr Aufstieg ist ein Märchen.

Die Geschichte von Ann Sophie Dürmeyer ist ein modernes Märchen mit einem tragischen Helden: Im September bewarb sich die Hamburger Sängerin für eine Wildcard für die Show „Unser Song für Österreich“. Die 24-Jährige setzte sich gegen 1270 Mitbewerber durch, überzeugte die Jury des Club-Konzerts und wurde beim deutschen Vorentscheid Zweite.

Weil Sieger Andreas Kümmert auf den Eurovision Song Contest (ESC) verzichtete, singt am Samstag in Wien nun Ann Sophie für Deutschland. Wir sprachen mit der Aufsteigerin, die auf ihrem Album „Silver Into Gold“ modernen, aber eher austauschbaren Pop und Soul liefert.

Haben Sie sich schon bei Andreas Kümmert bedankt? 

Ann Sophie: Ich habe ihn damals auf der Bühne gleich umarmt. Ich denke, das reicht. Jetzt haben wir keinen Kontakt mehr, aber ich bin ihm jeden Tag unendlich dankbar.

Kaum einer rechnet mit einem guten Abschneiden von Ihnen. Die Buchmacher sehen „Black Smoke“ auf Rang 23. Wie sehr beunruhigt Sie das? 

Ann Sophie: Diese Nachrichten können schon ein bisschen negative Stimmung schaffen. Ich versuche sie auszublenden, bin mir aber sicher: Wien wird die Zeit meines Lebens. Alle, die dort auf der Bühne stehen, sind Gewinner. Ein Platz unter den ersten zehn wäre toll für mich.

Haben Sie manchmal daran gedacht, was passiert wäre, wenn Sie damals im Autoradio nicht erfahren hätten, dass sich junge Künstler mit eigenen Songs für das Club-Konzert und den deutschen Vorentscheid bewerben können? 

Ann Sophie: Dann wäre etwas anderes passiert. Aber es stimmt: Ich habe per Zufall aus dem Autoradio gehört, dass man sich dort bewerben kann. Ich habe mich gefragt: Traust du dich das? Kannst du das? Und dann habe ich meine Bewerbung abgeschickt. Ich dachte, es klappt sowieso nicht. In jeder Runde hatte ich Gänsehaut. Es ist Wahnsinn.

Zuvor hatte Ihnen Ihre Familie geraten, sich bei der Pro-7-Castingshow „The Voice“ zu bewerben. Warum haben Sie das nicht gemacht? 

Ann Sophie: Ich bin kein Fan von Castingshows. Da sind doch immer nur die ersten beiden Staffeln interessant. Ich mag es auch nicht, Coversongs zu singen. Das bin nicht ich.

Während Ihrer Schauspielausbildung in New York sind Sie als Straßenmusikerin aufgetreten. Was haben Sie da gelernt? 

Ann Sophie: Da merkt man, wie wichtig die Musik für einen ist. Ich habe mich in die U-Bahn gesetzt, um zu sehen, ob die Leute Geld in meinen Gitarrenkoffer werfen. Ich wollte gegen die Angst ankämpfen, die ich damals auf der Bühne hatte. Heute ist meine Angst nicht mehr negativ. Respekt ist das bessere Wort.

Wenn es mit der Musik doch nicht klappen sollte, könnten Sie erst einmal Ihr Kinderbuch veröffentlichen, das Sie geschrieben haben.

Ann Sophie: Das will ich ohnehin. Es geht um einen Marienkäfer namens Hubi, der seine Punkte verloren hat. Die Geschichte habe ich innerhalb von fünf Tagen geschrieben. Auch als Schauspielerin habe ich noch Pläne. Und man muss übrigens nicht beim ESC gewinnen, um nachhaltig Erfolg zu haben. Das haben etwa Elaiza bewiesen, die im Vorjahr wie ich als Newcomer angetreten sind und immer noch in vollen Clubs spielen.

Hoffentlich bekommen Sie in Wien mehr Punkte, als Ihr Marienkäfer Hubi hat. 

Ann Sophie: Das will ich doch hoffen.

Ann Sophie: Silver Into Gold (Universal). Wertung: drei von fünf Sternen 

Ann Sophie, geboren: am 1. September 1990 in London, aufgewachsen in Hamburg. Ausbildung: Abitur, zweijährige Schauspielausbildung am Lee Strasberg Institut in New York. Karriere: Eigentlich wollte Dürmeyer in diesen Tagen ein Praktikum im Uniklinikum Hamburg-Eppendorf beginnen. Stattdessen tritt sie nun als Ann Sophie beim Eurovision Song Contest vor einem Millionenpublikum auf. Privates: Sie lebt als Single in Hamburg und sagt: „Einen festen Freund hatte ich noch nie. Es hat sich einfach nicht ergeben."

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