Eurovision Song Contest in Lissabon

ESC-Kandidat Michael Schulte: „Sektkorken werden knallen“

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Der Sänger Michael Schulte in einem Tonstudio des Hotels nhow. Schulte wird Deutschland beim Eurovision Song Contest in Lissabon vertreten.

Einmal vorletzter, zweimal letzter Platz: Michael Schulte hat sich vorgenommen, die Serie von Enttäuschungen beim Eurovision Song Contest am Samstag zu beenden. Ob es ihm glückt, wird sich zeigen.

Am Samstag tritt der 28-jährige bei dem Wettbewerb in Lissabon mit seinem Song „You Let Me Walk Alone“ für Deutschland an – und ist (noch) ganz entspannt und auch zuversichtlich. Wir haben mit ihm gesprochen und vor seinem ganz großen Auftritt in Lissabon ein interview mit geführt.

Deutschland hatte beim Eurovision Song Contest in den vergangenen Jahren nicht viel Glück und von Teilnehmern wie Levina und Jamie-Lee hört man musikalisch kaum noch etwas. Warum wollen Sie beim ESC antreten?

Michael Schulte: Ich war immer ein großer Fan und habe den ESC nie verpasst. Aber ich habe nicht gewagt, den Gedanken zu fassen, daran teilzunehmen. Nach dem schlechten Abschneiden der vergangenen drei Jahre hat sich das aber geändert. Ich glaube, dass ich besser abschneiden kann. Ich bin ein guter Künstler und ein Typ.

Was haben denn Ihre Vorgänger falsch gemacht und was wollen Sie anders machen als zum Beispiel Levina?

Schulte: Wir sind nicht vergleichbar. Levina ist durchaus eine tolle Sängerin, aber ihr Song und auch die der Teilnehmer davor waren nicht so persönlich wie meiner. Es steckte keine Geschichte dahinter. Ich biete ein anderes Gesamtpaket an, das glaubwürdiger wirkt. Die Leute fühlen sich mit mir verbundener.

Ihr Lied „You Let Me Walk Alone“ handelt von Ihrem verstorbenen Vater. Trifft Sie negative Kritik besonders hart? Ein Musikmagazin schrieb, es sei ein „peinlicher Song“.

Schulte: Ich würde mir wünschen, der Autor würde es mir einfach direkt ins Gesicht sagen. Klar, meine Musik muss nicht jedem gefallen, jeder darf seine Meinung haben, aber ich würde mir mehr Respekt wünschen. Viel zu oft verstecken sich Kritiker – auch im Internet – hinter der Anonymität.

Wie hat sich Ihr Leben seit dem Sieg beim ESC-Vorentscheid verändert?

Schulte: Die Aufmerksamkeit ist enorm gestiegen. Der ESC hat noch immer einen sehr hohen Stellenwert. Es ist nur schade, dass viele Leute in Deutschland so pessimistisch geworden sind, was unser Abschneiden angeht.

Und wie haben Sie sich auf das Finale vorbereitet?

Schulte: Ich war jetzt nicht täglich am Üben und Proben. Der Alltag war in den letzten Wochen vor allem voll mit verschiedenen Promotion-Terminen. Und ich bin allein in den vergangenen vier Wochen 16 Mal geflogen. Das ist schon stressig, und es ist auch nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen.

Inwieweit haben politische Diskussionen – das Einreiseverbot der russischen Sängerin in die Ukraine 2017 etwa – dem Wettbewerb geschadet?

Schulte: Ich glaube nicht, dass das dem ESC nachhaltig geschadet hat. Aber ich würde mir wünschen, dass es beim Wettbewerb wieder hauptsächlich um die Musik geht.

Sie haben rote, lockige Haare und werden auch deshalb mit den berühmten Popmusiker Ed Sheeran verglichen. Nervt das?

Schulte: Darüber mache ich mir keinen Kopf. Er ist ein toller Typ, ich bin sogar schon mit ihm aufgetreten. Derzeit ist er einer der besten Musiker, es gibt Schlimmeres als diesen Vergleich.

Einer der wohl erfolgreichsten Musiker der Welt: Der britische Sänger Ed Sheeran. ESC-Teilnehmer Michael Schulte hört relativ häufig, dass er mit dem rothaarigen Superstar verglichen wird.

Ihr neues Album „Dreamer“ ist vor einer Woche veröffentlicht worden.

Schulte: Es ist ein Best of Album, auf dem ich anbiete, was ich in den letzten Jahren so musikalisch gemacht habe. Es ist ja nicht mein erstes Album.

In der letzten Zeit lagen die Prognosen für Ihren Song in den Wettbüros bei Platz 21 von 26. Wo sehen Sie sich?

Schulte: Die Top 10 wäre traumhaft. Aber auch wenn ich weiter hinten liege, ist es kein Weltuntergang. Ich werde weiter Musik machen und im November 2018 auf Tour gehen. Die Sektkorken knallen an dem Abend auf jeden Fall. Dabei zu sein ist toll. Überhaupt ist der ESC für mich ein großes und intensives Abenteuer – und eine harte Aufgabe. Wenn ich danach noch lächeln kann, habe ich alles richtig gemacht. Und das werde ich.

Ein großes Abenteuer steht auch bald privat für Sie an.

Schulte: Stimmt, ich werde Vater. Ende August wird es so weit sein. Das wird ein riesiges Abenteuer, das Größte.

Wer ist Michael Schulte

Michael Schulte (28) aus Buxtehude im Kreis Stade in Niedersachsen ist ein deutscher Singer-Songwriter. Geboren wurde er ganz im Norden der Republik - in Eckernförde. Der junge Mann spricht neben Deutsch auch Dänisch, da er ein dänisches Gymnasium besucht hat. 

Schulte wurde zunächst durch die Veröffentlichung von Coverversionen erfolgreicher Songs auf seinem Youtube-Kanal bekannt. Bei der Gesangs-Castingshow „The Voice of Germany“ erreichte er im Jahr 2012 den dritten Platz und veröffentlichte schließlich im September 2012 sein Album „Wide Awake“. 

Ab März 2017 war er in der Rolle des Micha in der dreiteiligen ZDFneo-Fernsehserie Neomaniacs zu sehen. Im April 2017 veröffentlichte er das Album „Hold the Rhythm“. 

Schulte wird Deutschland beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon mit dem Lied „You Let Me Walk Alone“ vertreten. Schulte will im Sommer heiraten und wird im August Vater.

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