Der Esel hat den Blues

Familienmusical „Die Bremer Stadtmusikanten“ in Kassel

Schräge Truppe: Daniele Nonnis als Esel (von links), Harald Tauber als Hund, Steffen Laube als Bauer, Wiebke Wötzel als Katze und Inga Jamry als Hahn auf der Seebühne im Park Schönfeld.

Kassel. „Cooltown, Bremen ist die City“, singen Esel, Hund, Katze und Hahn, und zumindest die letzteren drei steigern sich mit ihrem Tanz dazu in ihre Sehnsucht hinein, berühmt zu werden in diesem fernen Bremen, dem angeblichen Mekka für Musiker. Der Möhren mümmelnde Esel will lieber im Stall bleiben.

Es ist die Melodie des Hits „Summer In The City“, die Michael Fajgel umgetextet hat für das von ihm geschriebene Märchenmusical „Die Bremer Stadtmusikanten“, das als Höhepunkt des Brüder-Grimm-Festivals im Park Schönfeld am Donnerstag Premiere hatte. Viel Applaus von ausverkauften Rängen.

Oliver Doerr hat einen apricotfarbenen Hof auf die Seebühne gebaut, in der Scheune spielt die vierköpfige Band unter Leitung von Harry Stingl, auf einer Wäscheleine wehen Socken im Abendwind.

In Fajgels stimmig und witzig aufgepeppter Version der an sich nicht gerade spannungs- und konfliktreichen Märchenvorlage haben die Bauersleute (Steffen Laube und Sabine Guth) den Hof verlassen. Die Tiere verweigern die Arbeit und sind nur mit ihrem Wunsch beschäftigt, berühmte Sänger zu werden. So haben die Ganoven (ebenfalls Laube und Guth) später leichtes Spiel, die an Geld kommen wollen und den Tieren weismachen, sie seien einflussreiche Musikproduzenten – aus Bremen. Erst zum Schluss erkennen die Musikverrückten, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Die vielfältigen Choreografien stammen von Loreen Fajgel, Regisseur Rüdiger Canalis Wandel hat liebenswerte und witzige Details inszeniert, die das Stück für Kinder wie Erwachsene zu einem abwechslungsreichen Vergnügen machen - wenn es auch nicht der stärkste Abend in acht Festivaljahren ist. Vor allem die Charakteristika der Bauernhoftiere überzeugen, die von Riet Hannah Bernard fantasievoll ausstaffiert sind. Harald Tauber trägt als Hund ein altmodisches Motorradrocker-Outfit mit eigener Befestigungsmöglichkeit für das geliebte Stöckchen, das er fast noch lieber apportieren möchte, als den Rock ’n’ Roll zu singen. Wiebke Wötzel ist eine elegante Katze mit Ballettstulpen und der großen Ambition, einmal die Grizabella in „Cats“ zu singen – „Kotz“ nennen die anderen Tiere entnervt dieses Musical, wenn die Katze wieder mal mit großer Geste losschmettert.

Inga Jamry ist ein herrlich aufgeplusterter Hahn in einem Operettenfeldwebel-Kostüm, gurrend und ruckartig bewegt sie sich über den Hof – und wechselt passgenau in einen französischen Akzent für die große Leidenschaft des Federviehs: den Chanson. „Broiler“, schimpfen ihn die anderen.

Der Esel von Daniele Nonnis wird schließlich zum Liebling der Herzen als störrischer Bluesmann mit der Seele eines Romantikers und Vokuhila-Frisur heftigster Güte. Schüchtern hufscharrend ist er ein bisschen verliebt in die Katze, das Ih-Aah rutscht ihm bei emotionalen Wortbeiträgen gern mal in die Konversation.

Bis 30. August, Karten unter 0561-7018722.

Bis zur Eröffnung der Kasseler Grimmwelt am 4. September veröffentlichen wir regelmäßig Beiträge rund um die Brüder Grimm.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.