Gesangsstar im Interview

Das etwas andere Phantom: Deborah Sasson über ihre Version des Musicals

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Deborah Sasson

Kassel. Die amerikanische Sängerin Deborah Sasson gastiert am 16. Februar mit dem Musical „Das Phantom der Oper“ in der Kasseler Stadthalle. Das Besondere: Es handelt sich nicht um die bekannte Version von Andrew Lloyd Webber.

Vielmehr hat Sasson die Romanvorlage von Gaston Leroux zu einem eigenen Musical verarbeitet, in dem sie selbst die weibliche Hauptrolle, das Chormädchen Christine, singt. Deborah Sasson besuchte uns zusammen mit ihrer Sänger-Kollegin Renée Knapp in der Redaktion.

Frau Sasson, haben Sie auch mal als Chormädchen angefangen wie Christine? 

Deborah Sasson (lacht): Nein, ich war immer Solistin. Komischerweise bin ich aber früh in Deutschland gelandet. Ich habe 1982 in New York auf den letzten Drücker an einem Vorsingen für die „West Side Story“ in Hamburg teilgenommen, die Leonard Bernstein selbst dirigierte - und hatte das Glück, die Rolle der Maria zu bekommen. Das war wie ein Traum.

Und dann sind Sie hier geblieben? 

Zur Person

Deborah Sasson (54) wurde in Boston geboren. Sie studierte am Oberlin-Konservatorium in New York klassischen Gesang und hatte ihr erstes Engagement an der Metropolitan Opera. Ihr Debüt am Broadway gab sie in „Show Boat“. 1982 engagierte sie Leonard Bernstein für die Hamburger Inszenierung der West Side Story. Sasson war in zweiter Ehe von 1983 bis 1990 mit dem Opernsänger Peter Hofmann verheiratet. Seit 1988 konzentriert sie sich auf Pop-CDs. Für ihre Duettversion von „Scarborough Fair“ mit Peter Hofmann wurde sie mit Dreifach-Platin ausgezeichnet. 2011 brachte sie ihre Version des Musicals „Das Phantom der Oper“ heraus. Deborah Sasson lebt im hessischen Bensheim. (w.f.)

Sasson: Dann habe ich mich in Peter Hofmann verliebt - meinen späteren Mann.

Fast alle Musical-Fans kennen „Das Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber. Warum haben Sie aus demselben Stoff ein eigenes Musical gemacht? 

Sasson: Zunächst einmal: Webber hat ein tolles Musical mit viel Sinn für Dramatik geschrieben. Er hat eine gute Nase für Geschichten. Aber ich fand, dass sein Musical wenig zu tun hat mit der Geschichte, die Leroux’ Roman erzählt. Ich habe das Buch mit 15 zum ersten Mal gelesen und war sofort verzaubert. Ich dachte, das sei ein guter Stoff für ein Musical - und dann kam Lloyd Webber. Aber jetzt, 100 Jahre nach Erscheinen des Buches, war ein guter Zeitpunkt, meine Version der Geschichte auf die Bühne zu bringen.

Was ist denn anders bei Ihrer Geschichte? 

Sasson: Oh, eine Menge. Generell ist das Stück sehr nah am Buch. Ich wollte natürlich unbedingt die richtigen Opernstücke dabeihaben, die damals an der Pariser Oper gesungen wurden, die Opernschlachtrösser von „Carmen“ bis „La Traviata“. Man muss das einfach hören. Wir haben auch als Gegengewicht zu der sehr dunklen Seite der Geschichte die humorvolle Seite betont. Dafür stehen die windigen Operndirektoren, aber auch die Diva Carlotta, die ihre Stimme verliert. Wir haben das alles sehr spielerisch gemacht.

Hatten Sie vorher schon Erfahrung als Komponistin? 

Sasson: Ich hatte schon früher einzelne Lieder geschrieben, für Peter Hofmann und auch für mich. Zusammen mit meinem Ko-Komponisten Gerd Köthe war ich mit dem „Phantom“ in drei Monaten fertig. Das ging deshalb so schnell, weil ich schon eine glasklare Vorstellung davon hatte, wie das Musical werden sollte.

Wie reagiert das Publikum auf Ihr „Phantom der Oper“? 

Sasson: Das Publikum reagiert großartig. Unsere Show geht sehr rasch - und wir haben im ersten Jahr auch ständig noch Einzelheiten verbessert. Kürzlich schrieb ein Kritiker in Bonn: „Wer braucht da noch Webber?“ Das war ein Riesenkompliment.

Von Werner Fritsch

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