Bläsermusik beim Kammerkonzert des Staatstheaters

+
Feines Ensemblespiel: Das Thalia-Quintett mit (von links) Katrien Lissens (Flöte), Sabine Nobis (Oboe), Michael Hintze (Horn), Kumiko Maruyama (Fagott) und Sabine Neher (Klarinette).

Kassel. Solch ein Konzert wird man wohl kaum bei einem freien Veranstalter geboten bekommen. Beim zweiten Kammerkonzert spielten am Montagabend sieben Musiker in vier verschiedenen Besetzungen fünf Stücke von drei Komponisten (darunter kein Deutscher) des späten 19. und 20. Jahrhunderts.

Das war etwas für musikalische Feinschmecker. Knapp hundert davon waren gekommen, um den sechs Bläsern plus Klavier zuzuhören. Im Mittelpunkt stand das Thalia-Quintett in der klassischen Bläserquintettbesetzung mit Flöte (Katrien Lissens), Oboe (Sabine Nobis), Klarinette (Sabine Neher), Fagott (Kumiko Maruyama) und Horn (Michael Hintze).

Zu Beginn spielten die fünf aus dem Staatsorchester das g-Moll-Quintett des Franzosen Paul Taffanel, fortgeschriebene romantische Musik, nicht ohne Anklänge an Mendelssohn und andere Vorgänger. Dann, nur 50 Jahre später komponiert und doch aus einer anderen Sphäre, Leo Janácˇeks spätes Sextett „Jugend“ (mit zusätzlicher Bassklarinette, gespielt von Alfred Wurm) - dichte Musik voller gut bewältigter Einzelaufgaben. Das Ensemblespiel klappte schon hier gut.

Nach der Pause gab es eine dreiteilige Hommage an den vor fünfzig Jahren gestorbenen Francis Poulenc. Michael Hintze ließ sein Horn bei der „Elegie“ weinen, und Sabine Nobis verstand es, bei der Oboensonate aus dem Jahr 1962 die bittersüßen Melodien glänzend darzureichen.

Als Abschluss dann Poulencs Sextett für Bläserquintett und Klavier. Xin Tan, der schon die beiden Stücke zuvor viel mehr als nur „begleitet“ hatte, mischte sich mit dem Klavier prägnant, mal kraftvoll, mal federnd in das Bläsergeschehen ein. Was dieses kurze Stück von wenig mehr als einer Viertelstunde in sich trägt, ist ziemlich üppig: rasante Gespräche in verschiedenen Konstellationen, dicke Gefühle, schräge Tanzfragmente und vieles mehr.

Mit hoher Konzentration bewältigten die sechs Musiker nicht nur die technischen Finessen, sondern fanden auch zu einem vorzüglichen, lebhaften und bestens aufeinander bezogenen Zusammenspiel.

Von Johannes Mundry

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.