Eurovision Song Contest: Der Triumph des Monchichi aus Aserbaidschan

Düsseldorf. Die Worte des Warmuppers in der Düsseldorfer Esprit-Arena klangen ein bisschen großspurig. Aber letztlich war es völlig berechtigt, als er eine halbe Stunde vor Beginn des Eurovision Song Contests die 37.000 Zuschauer fragte: „Seid ihr bereit für TV-Geschichte?“

So eine große Show gab es in der Geschichte des Grand Prix noch nie. Auch der Sieg des Duos Ell und Nikki aus Aserbaidschan war ein Novum: Das Land zwischen dem Kaspischen Meer und dem Kaukasus nahm erst zum vierten Mal am weltgrößten Musikwettbewerb teil. Am Ende gab es keinen Zweifel, dass „Running Scared“ mit 221 Punkten ein verdienter Siegertitel war, denn die eingängige Pop-Rock-Nummer könnte so auch jederzeit im Formatradio laufen. Das kann man nicht von jedem der 25 Finalbeiträge behaupten.

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"Für uns ist ein Traum wahr geworden“, sagte Sänger Eldar Gasimov auf der Pressekonferenz um halb zwei in der Nacht. Für den 22-Jährigen aus Baku, der ein bisschen wie ein Monchichi aussieht, ist Deutschland ein gutes Pflaster: Der ausgebildete Pianist, der auch Schauspiel und Gesang studierte, verbrachte zwei Semester in Deutschland. Seine 30 Jahre alte Kollegin Nigar Jamal war bis vor Kurzem Hausfrau und lebt mit ihren zwei Kindern in London. Nun träumen beide von einer internationalen Pop-Karriere.

Auf Platz zwei schaffte es überraschend der italienische Jazz-Pianist Raphael Gualazzi mit der Swing-Nummer „Madness of Love“ vor dem Schweden Eric Saade, dessen Dance-Pop-Stückchen „Popular“ beim ersten Durchgang schrecklich ist. Aber das schafft eben nur der Grand Prix: Hier kann man sich so manches schön hören.

Bilder vom Eurovision Song Contest

Bilder vom Eurovision Song Contest

Schön reden muss sich Titelverteidigerin Lena nicht: Als sie ihre dunkle Electro-Nummer „Taken by A Stranger“ wie ein Vamp vortrug, bebte die Halle. Ein zehnter Platz ist auch ein Jahr nach dem Höhepunkt der Lenamania eine achtbare Platzierung. Zumal auch andere Künstler die Besonderheiten des Wettbewerbs anerkennen mussten. Die britische Boyband Blue, die in ihrer Karriere bereits mehr als 13 Millionen Platten verkauft hat, hatte mit dem Ausgang ebenso wenig etwas zu tun wie das irische Duo Jedwards. Die schrillen Zwillinge bestimmten in Düsseldorf das Bild, weil zahlreiche Fans Pappmasken mit ihren langen Haartollen trugen.

Ein anderer Sieger des Abends hieß Stefan Raab. Viel war im Vorfeld über sein Englisch gemäkelt worden, aber wie Lenas Mentor gleich zu Beginn mit Musikern seiner „tv total“-Band Heavytones und einer lauten Version von „Satellite“, Lenas Siegertitel von Oslo, das Haus rockte, war eine Sensation. Mehr Gänsehaut und Adrenalin gab es den ganzen Abend nicht mehr. Überhaupt war die Show perfekt: Die Moderatorinnen Anke Engelke und Judith Rakers bezauberten, die Arena wirkte trotz allen Bombasts immer noch wie ein TV-Studio, und nachdem Raab mit einer E-Gitarre und einer Hommage an Jimi Hendrix‘ „Star Spangled Banner“ die Eurovisions-Hymne zerlegt hatte, gab die riesige LED-Wand den Blick in den Green Room mit allen Künstlern frei.

Auch dafür gab es am Ende des Abends viel Lob von den insgesamt 2500 Journalisten aus aller Welt. Der Chef des Teams aus Aserbaidschan versprach jedoch schon mal eine „vielleicht noch bessere Show“ für 2012.

HNA-Kulturredakteur Matthias Lohr berichtete aus Düsseldorf

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