„Ewig Kind bleiben können“: Die Autobiografie von Thomas Gottschalk

Er wird Mitte Mai 65. Es ist ihm nicht unbedingt anzusehen, doch sein Alter macht ihm schon zu schaffen. Denn ein Berufsjugendlicher macht sich vielleicht mehr Gedanken über den Reifeprozess als andere.

Thomas Gottschalk hat seine Memoiren geschrieben, Titel: „Herbstblond“. Das Altwerden und das Alter nehmen darin viel Raum ein. Der Blick in den Spiegel und der eher neutrale Umgang junger RTL-Redakteure mit ihm hinterlassen Spuren beim „Grüßaugust der Nation“ - das passt ihm alles nicht. Er habe es nie für nötig gehalten, sich wie ein Erwachsener zu benehmen, schreibt Gottschalk, und er lebe in der Wahnvorstellung, ewig Kind bleiben zu können - „zur Not eben ein altes Kind“.

Neben vielen heiteren Anekdoten aus Kindheit, Jugend und Karriere, die das Buch lesenswert machen und den Eindruck erwecken, als spreche permanent „Wetten, dass ...“-Dauerplauderer Gottschalk, überrascht die Frohnatur auch mit ernsthaften Tönen.

Intensiv befasst er sich mit den Suiziden zweier Weggefährten: Lebemann Gunter Sachs und Ex-MDR-Intendant Udo Reiter, der ihn förderte. Gottschalks Erkenntnis: Er respektiert die Entscheidungen von Sachs und Reiter. Er werde aber nicht versuchen auszusteigen, bevor er am Ziel sei.

Seinen Freunden, engen Kollegen, die ihn lange begleitet haben, schenkt Gottschalk viel Platz: Einige Seiten widmet er dem verstorbenen Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki, der 2008 den Deutschen Fernsehpreis fürs Lebenswerk ablehnte. Auch Günther Jauch findet ausführlich statt: Der habe ihm berichtet, sich ernsthaft mit dem Gedanken zu tragen, kürzerzutreten. „Was er nie tut“, lästert Gottschalk.

Ein Leben im Rampenlicht: Thomas Gottschalk als TV-Star - und jetzt auch als Buchautor. Foto: dpa

Nichts lässt Gottschalk auf seine Frau Thea kommen, sie habe seinetwegen auf eine Karriere verzichtet. Die Söhne Tristan und Roman leben in den USA, der eine getrennt von der Mutter seines Kindes. Gottschalks Enkel lebt in Berlin und wird von ihm persönlich ab und an in den Kindergarten gebracht. Auch das Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder Christoph beleuchtet Gottschalk. Beide wüssten, dass sie im Ernstfall für einander da seien.

Letztlich bewegte der Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch, der 2010 beim Versuch, mit Sprungfedern über fahrende Autos zu springen, querschnittgelähmt am Boden liegen blieb, Gottschalk zum Rückzug von „Wetten, dass ..?“. Mit 60 Jahren startete er noch einmal, bei der ARD mit der Vorabendshow und beim RTL-„Supertalent“ - jedoch erfolglos.

Doch er empfindet keine Reue: „Hätte ich mich nach den Abschiedsfeierlichkeiten und dem Quotensegen für die letzte „Wetten, dass..?“-Show ... aufs Altenteil begeben, hätte man mich zwar heiliggesprochen, aber das Nächste, was ich aus Deutschland gehört hätte, wäre mein Nachruf gewesen.“ (dpa)

Thomas Gottschalk: Herbstblond. Heyne Verlag, 368 S., 19,99.

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