Der ewige Spießer: Gerd Dudenhöffer in Baunatal

Er weiß, wie der Hase läuft: Gerd Dudenhöffer als Heinz Becker in Baunatal. Foto: Schachtschneider

Baunatal. Es ist gut zu wissen, dass es Heinz Becker nicht wirklich gibt. Diesen verbohrten Nörgler, der von seinem Gartenstuhl aus die Welt betrachtet und dabei so kleinkariert ist, wie es sein Hemd niemals sein könnte.

Schonungslos und dreimal gescheit verletzt er auch in seinem 14. Bühnenprogramm Namens Sackgasse jede Grenze, schreckt vor nichts und niemandem zurück, denn er „saacht es jo bloß“.

Das tut er so unverblümt, dass man als Zuhörer nicht selten am liebsten im Erdboden versinken würde, wäre nicht klar, dass sich hinter diesem ewigen Spießer mit Schiebermütze und Hosenträgern der großartige Gerd Dudenhöffer verbirgt.

Dem saarländischen Kabarettisten sind die Lacher und Schenkelklopfer in der Baunataler Stadthalle schnell garantiert, als er die gut 500 Besucher am Samstagabend mitnimmt in die Welt des Spießertums, in der er sich wortreich austobt, bis „die Realität nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat“.

Die Kulisse schlicht, das Bild des kleinbürgerlichen Rentners perfekt auf den Punkt, sind die Stammtischmonologe alles andere als das. Sollen sie auch nicht, denn Heinz Becker wäre nicht Heinz Becker, würde er auf dem Weg zum Brennpunkt nicht hartnäckig abschweifen.

Er schwadroniert über Gott und die Welt, analysiert die kleinen Dinge des Alltags, um hin und wieder auch die große Politik zu streifen. Da wird FDP-Chef Philipp Rösler schnell zum unehelichen Sohn Genschers, der als „gelernter Vietnamese“ durch die Welt geht. Bei Claudia Roths Auftreten fragt er sich, ob sie gerade von der Fassenacht komme, als Vertreterin eines Dritte-Welt-Ladens fungiere oder ihren Kopf von Playmobil bekommen habe?

Bei ungewöhnlich vielen antisemitischen Bemerkungen, Geschichten über klauende Ausländer oder die „Islamisierung Deutschlands“ bleibt nicht wenigen das Lachen im Halse stecken, wie auch dann, wenn er etwa von seiner lesbischen Tante Erika spricht, die sich als Expertin in Sachen Kindererziehung aufspielt - „das ist ja so, als wenn Schäuble Tanzlehrer wäre“. Becker zieht mit oft schwarzem Humor eben seine ganz eigenen Schlüsse. Lachen kann man darüber dann nur, weil ganz klar ist, dass es diesen verbohrten Nörgler eben nur auf der Kabarettbühne gibt.

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