Wie die Toten Hosen auf Emo

Auf ewiger Klassenfahrt: Die Indierockband Madsen im Kasseler Musiktheater

Wurden von den Fans gefeiert: Sänger Sebastian Madsen (links) dirigierte die Massen, Bruder Sascha spielte Schlagzeug und Freundin Lisa Nicklisch Keyboard. Bassist Niko Maurer beeindruckte zwischendurch mit einer heiseren Stimme, die an Barry White erinnerte. Foto: Zgoll

Kassel. Als 2005 das Debütalbum der Band Madsen herauskam, sagte Sänger Sebastian Madsen den schönen Satz, er habe die CD für Realschüler auf Klassenfahrt geschrieben. Neun Jahre später tourt die aus dem Wendland stammende Formation immer noch mit Indierock und Texten durchs Land, die jeder verstehen kann.

Das Leben von Madsen ist eine niemals endende Klassenfahrt und macht allen sehr viel Spaß, wie ihr Konzert am Mittwoch im rappelvollen Kasseler Musiktheater bewies.

Wobei die Klassenfahrt bei Madsen immer auch ein Familienausflug ist. Sänger Sebastian bildet mit seinen Brüdern Johannes (Gitarre) und Sascha (Schlagzeug) den Kern (daher der Bandname). Dazu kommt Tour-Keyboarderin Lisa Nicklisch, die praktischerweise die Freundin von Sebastian ist. Über sie hat der 33-Jährige einmal einen anderen schönen Satz gesagt: „Ich habe das große Glück, dass ich jeden Abend die Keyboarderin abschleppen darf.“ Was man halt so sagt, wenn man auf Klassenfahrt ist.

Lehrer würden Madsen für ihren Kasseler Auftritt Bestnoten geben. Das Sextett, das von Bassist Niko Maurer und Gitarrist Martin Krüssel komplettiert wird, beherrscht das Rock-Einmaleins. Ihre melodischen Refrains lassen die Musiker von den Fans mitsingen. Geschickt bauen sie andere Songs in ihr Set mit ein wie „I Was Made For Lovin’ You“ von Kiss, das in den frühen Hit „Die Perfektion“ übergeht. Und einmal choreografiert Sebastian Madsen einen Pogo im Kreis, der den halben Saal einnimmt.

Auch wenn der Frontmann nicht mehr so viel schreit wie früher. Madsen, die einst als die neuen Tocotronic galten, klingen heute ein bisschen wie die Toten Hosen auf Emo. Es gibt immer noch harte Gitarrenbretter. Die Texte hören sich meist so an: „Hättest du nicht Lust, mit mir den Abend zu verbringen? Gegen den Frust, wir könnten Nachtbaden gehen.“ Das ist nicht mehr als Schülerprosa, aber trotzdem grundsympathisch.

Ebenso übrigens wie die Vorband Vierkanttretlager, die vom Veranstalter schlicht vergessen wurde. Auf der Bühne fehlte die Ausrüstung, so spielte die Indierockband aus Husum nur ein kurzes Akustikset. Auf Klassenfahrt geht halt einiges schief.

Von Matthias Lohr

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