Ex-„Klimbim“-Star Ingrid Steeger ab 10. Februar in Kasseler Komödie auf der Bühne

Kassel. Wenn Ingrid Steeger in knapp zwei Wochen in Kassel auf der Theaterbühne steht und die Frau Schneider in der Komödie „Jackpot“ spielt, wird sie voraussichtlich einen Pullover tragen, der gerade für sie in Marietta Balindt-Smalls Handarbeitsboutique im Kasseler Stadtteil Kirchditmold gestrickt wird.

„Dort gibt es Handarbeitstreffs, zu denen ich mich geselle“, erzählt der Fernsehstar. Kleines Lächeln. Haare aus den Augen gestrichen. Mit Balindt-Small ist sie neulich sogar in der „Prinzenquelle“ essen gewesen. Bekanntschaften wurden per Wollknäuel geschlossen - „aber ich stricke nicht mit“.

Ingrid Steeger war in den 70er-Jahren einer der wichtigsten deutschen Fernsehstars aus der Blödel-Show „Klimbim“. Auf einem Requisitenstuhl erholt sie sich nach einer Probe auf der Bühne in dem Boulveardtheater Komödie Kassel. Mit großer medialer Aufmerksamkeit ist das Engagement der 63-Jährigen in Kassel bundesweit registriert worden - hatte die „Bild“-Zeitung doch berichtet, der Fernsehstar sei verarmt. „Ich habe nur drei Monate von Hartz IV gelebt“, betont die Schauspielerin. Mittlerweile könne sie sich selbst über Wasser halten.

Freunde haben sie durch die schwere Zeit getragen, als die Steuerberaterin sie betrogen und Belege vernichtet hatte, als die Betriebsprüfung des Finanzamts kam, als Miete und Krankenkassenbeiträge nicht mehr bezahlt werden konnten, sie nicht mehr kreditwürdig war. „Irgendwann haben sie gesagt, Kindchen, jetzt musst du für dich selbst sorgen“: Das gab ihr den Ruck.

„Eine schwere Zeit“, sagt die zierliche Frau und blickt über ihre dunkelbraun-gefleckte Lesebrille. Auch, weil in den letzten Jahren wichtige Freunde und Kollegen wie Elisabeth Volkmann gestorben sind. „Da kann man fast eine Strichliste machen.“ „Die Klimbim-Familie lebt“, wie die Bühnenshow von 2004 nach dem Fernseherfolg der 70er-Jahre hieß - das könnte man heute nicht mehr behaupten, sagt Ingrid Steeger traurig. Dabei ist sie zwiegespalten: Schon stolz auf den großen Erfolg. Aber manchmal hat sie auch genug, wenn ihr auf der Straße die Menschen wie angeknipst ihren „Klimbim“-Song „ ... dann mach ich mir ’nen Schlitz ins Kleid“ vorsingen. Ingrid Steeger macht eine abwehrende Bewegung. Betont aber im nächsten Moment, dass die Kasseler durchweg freundlich seien. Hier wohnt sie in einem Apartment im Restaurant „Zum Berggarten“.

An „Klimbim“ erinnert Ingrid Steeger sich gern zurück. besonders, wenn sie heute Leute wie Oliver Pocher im Fernsehen sieht. „Das ist nicht zu vergleichen.“ „Klimbim“ sei noch eine richtige Show gewesen. „Glitter, Glamour, aufwändig und teuer, prominente Gäste, die Kostüme wurden uns auf den Leib geschneidert.“ Das gebe es heute nicht mehr, Alleinunterhalter seien auch deshalb in Mode, weil die schön billig seien. Aber: „Wir waren Vorreiter“. „Klimbim“ hat das spießige 70er-Jahre-Deutschland etwas lässiger, humorvoller und freizügiger gemacht.

Jetzt hüpft die 63-Jährige in ihren wattierten Stiefeln zum Tellerrock über die Kasseler Bühne wie ein Mädchen. Schließlich hat ihre Bühnenfigur im Lotto gewonnen. Steeger betont aber, das Stück sei unabhängig von ihrer persönlichen Finanzlage ausgewählt worden. Komödienchef Knut Schakinnis kennt sie von früheren Auftritten.

Aktuell ist Michael Oenicke ihr Bühnenpartner. Dessen drei Hunde warten bei der Probe draußen im Foyer und machen manchmal so Rabatz, dass Oenicke sie kurz beruhigen muss. „Kommt zu Papa“ ruft er ihnen dann zu. Mittlerweile nennt das „Jackpot“-Team den Schauspielerkollegen auch so: „Tschüss Papa,“ ruft Ingrid Steeger ihm nach Probenende nach. Die „Jackpot“-Familie lebt.

Zur Person

Ingrid Steeger Geboren: als Ingrid Anita Stengert am 1. April 1947 in Berlin, zweimal verheiratet, lebt allein in München. Ausbildung: Handelsschule, parallel zu einem Job als Stenotypistin arbeitete sie als Model. Durchbruch: 1970 in „Die liebestollen Baronessen“. Größter Erfolg: Fernsehshow „Klimbim“ (1974-77). Weitere Auftritte: „Münchner Geschichten“, „Wie wär’s heut’ mit Revue?“, „Rudis Tagesshow“, dazu kommen Gesangs- und Bühnenauftritte.

Service: Komödie Kassel zeigt „Jackpot“

Am 10. Februar ist Premiere für Gunter Antraks Komödie „Jackpot“ im kleinen Kasseler Privattheater Komödie. Ingrid Steeger spielt die Hauptrolle, Regie: Knut Schakinnis und Erik Voß. Ein satter Lottogewinn stellt das Leben der in bescheidenen Verhältnissen lebenden Schneiders auf den Kopf. Sie träumen nun von schönen Reisen, Kaviar und schnellen Autos. Komödie Kassel, Aufführungen vom 10. Februar bis 16. April, Tel. 0561-18383, Friedrich-Ebert-Straße 39.

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