Ex-"Supertalent" Jean-Michel Aweh aus Kassel fängt neu an

Es soll wieder aufwärts gehen: Der ehemalige „Supertalent“-Sieger Jean-Michael Aweh (Mitte) macht jetzt mit Harald Dörr (links) und Luka Basic als Ohrwurm Circus Musik. Foto: Lohr

Kassel. Vor drei Jahren gewann Jean-Michel Aweh die Castingshow "Das Supertalent". Der Traum von der großen Karriere erfüllte sich jedoch nicht. Nun startet der Kasseler neu.

Wenn Dieter Bohlen Recht gehabt hätte, wäre aus Jean-Michel Aweh ein Superstar geworden. Im Dezember 2012 gewann der Kasseler Sänger und Pianist unter den Augen des Jurors die RTL-Castingshow „Das Supertalent“. Längst aber spielt Aweh wieder in den Kneipen seiner Heimatstadt. Nun wagt er einen Neuanfang: Mit den Kasseler Produzenten Harald Dörr (23) und Luka Basic (21) hat der 23-Jährige das Trio Ohrwurm Circus gegründet.

Aweh im Regiowiki

Schneller als Aweh ist selten ein Casting-Sieger aus dem Rampenlicht verschwunden. Nur wenige Monate, nachdem er bei RTL mit einfühlsamen Piano-Balladen ein Millionenpublikum verzaubert hatte, sagte er seine Deutschland-Tournee mangels Nachfrage ab. Mit deutlichen Worten kritisierte Aweh den Casting-Wahn und Bohlen. Es gehe „nicht darum, langfristige Karrieren aufzubauen, sondern nur darum auszubeuten“.

Der Nordhesse fühlte sich nicht wohl als neuer Xavier Naidoo. Später experimentierte er mit elektronischen Beats und gründete seine eigene Plattenfirma. Die dort erschienene Single „Von Tag zu Tag“ wurde kein Hit.

Mit Ohrwurm Circus will das gefallene „Supertalent“ nun noch einmal ganz von vorn anfangen. Basic, der in seiner kroatischen Heimat als DJ Levi auftrat, hat er im Al Fiume in der Unterneustadt kennengelernt - Aweh spielte dort Klavier, Basic kellnerte, mittlerweile macht er eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker. Nebenbei bastelte er mit dem Kasseler Pianisten Harald Dörr alias Harry D an eigenen House-Tracks. Für ihre Soundcloud-Seite haben sie zahlreiche Remixe angefertigt - von Robin Schulz bis Adele.

Das gefiel auch Aweh. Bald arbeitete das Trio in dem Studio, das sich der Hotelfachmann Dörr zu Hause eingerichtet hat, an gemeinsamen Songs. Das Ergebnis klingt nun ganz anders als die Musik, mit der Aweh bekannt wurde. Seine Stimme hat immer noch eine melancholische Grundstimmung, und die vorherrschenden Themen sind nach wie vor die Liebe und das Verlassenwerden. Aber die poppigen Balladen sind nun mit treibenden House-Beats unterlegt.

„Wir wollten keine Musikrichtung neu erfinden, sondern unsere Gefühle ausdrücken“, sagt Aweh. Das ist keine schlechte Idee, denn seine Musik klingt nun nicht mehr nach Xavier Naidoo, sondern nach jungen Singer/Songwritern wie Philipp Dittberner („Wolke 4“), die Pop-Melodien und sanfte Elektro-Beats mixen.

Das Debütalbum „Halbmond“ soll im Frühjahr erscheinen - nicht bei Aweh Records, sondern bei einer anderen Plattenfirma, mit der noch verhandelt wird. Während andere Künstler ihre Vergangenheit bei „DSDS“ und Co. am liebsten verschweigen, weil sie rauswollen aus der Casting-Schublade, glaubt Aweh, dass ihm seine Kontakte von früher helfen: „Ich bereue nichts.“

Von den 100.000 Euro, die er einst für seinen Triumph bekam, hat er „einiges zur Seite gelegt“. Geld ist für Aweh nicht das Wichtigste: „Man muss sich fragen, ob man ein Musiker wie Dieter Bohlen sein will, der damit prahlt, Millionär zu sein, oder seine Kunst ausleben will.“ Er hat sich für Letzteres entschieden.

Zur Person 

Name: Jean-Michel Aweh

Alter: 23

Aufgewachsen: in Kassel und Niestetal

Ausbildung: Hauptschulabschluss

Musikalische Karriere: Aweh, dessen Vater ein Musikgeschäft in Kassel hatte, begann mit acht, Mundharmonika zu spielen. Als 16-Jähriger lernte er Klavier. Mit 19 hatte er seinen ersten Auftritt (mit dem Blues-Musiker Stolle).

Größter Hit: „Raus aus dem Nebel“

Privates: Single, lebt in Kassel.

Zur Internetseite von Ohrwurm Circus geht es hier.

Lesen Sie dazu auch:

- Ex-„Supertalent“ Jean-Michel Aweh spricht über seinen Neuanfang

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