„Ich will eine Marke sein“

Ex-„Supertalent“ Jean-Michel Aweh spricht über seinen Neuanfang

+
Seine neuen Lieder klingen mehr nach Club-Musik: Jean-Michel Aweh.

Aus dem „Supertalent“ hätte ein Star werden sollen, doch super war bald nichts mehr für Jean-Michel Aweh. 2012 gewann der Kasseler mit einfühlsamen Balladen die RTL-Show, 2013 wurde seine Tour mangels Nachfrage abgesagt. Nun wagt der 21-Jährige einen Neuanfang. Im Interview rechnet er auch mit Juror Bohlen ab.

Jean-Michel Aweh, wie geht es Ihnen heute? 

Jean-Michel Aweh: Gut, ich mache jetzt Musik, hinter der ich zu 100 Prozent selber stehe und die mich aufbaut. Das war früher nicht der Fall. Bereits nachdem ich mein erstes Album eingespielt hatte, ahnte ich, dass das nichts Großes werden wird.

Wieso? 

Aweh: Ich war damals zwei Tage mit Dieter Bohlen im Studio, der mir sehr viel reingeredet hat. Meine Lieder wurden auf Schlager-Pop gebürstet. Das war viel zu perfekt. Jemandem wie Dieter Bohlen widerspricht man aber nicht. Wir haben dann ein Demo eingespielt, das nach Russland geschickt wurde, wo ein Typ die Songs arrangiert hat. Auf dem Album waren von mir nur der Gesang und die Mundharmonika zu hören.

Klingt ein bisschen wie ein mieser Trick. 

Aweh im Regiowiki

Aweh: So läuft das im Pop-Geschäft. Es geht nicht darum, langfristige Karrieren aufzubauen, sondern nur darum, auszubeuten. Ich will aber eine Marke sein und ernst genommen werden als Künstler. Das versuche ich nun mit meiner Musik. Ich möchte Botschaften und Werte vermitteln.

Wie werden die neuen Songs klingen? 

Aweh: Ganz anders als die alten Lieder, die ja vor allem Kinder oder ältere Menschen gehört haben, meine Altersgruppe aber fast gar nicht. Vor Kurzem habe ich mir eine Loop-Station gekauft und aus Versehen auf einen falschen Knopf gedrückt. Das Ergebnis ging in die Club-Richtung und wird auf meiner Single „Von Tag zu Tag“ zu hören sein, die am 1. März erscheint. Klavier, Mundharmonika und ein Beat bestimmen den Sound. Ich singe auch keine ganzen Sätze mehr, sondern nur noch Wörter. Es geht um Routine und Alltag. Man kann da sehr viel hineininterpretieren.

Wie sieht Ihr Alltag aus? 

Aweh: Früher habe ich bis 15 Uhr geschlafen, heute sitze ich schon um 10 Uhr im Café und checke meine Mails. Ich schreibe nicht nur an neuen Songs, sondern arbeite auch daran, eine eigene Plattenfirma zu gründen: Aweh-Records

Als Casting-Sieger haben Sie 100.000 Euro gewonnen, Ihr Album hat sich fast 40.000-mal verkauft. Sie müssen reich sein.

Aweh: Ich bin reich an Erfahrungen.

Verfluchen Sie manchmal Ihren schnellen Ruhm? 

Aweh:  Nein. Ich wollte bekannt sein und einen Plattenvertrag haben. Das habe ich geschafft. Aber ich musste nach meinem Gewinn umdenken. Mein Kühlschrank war immer leer, weil ich es nicht gewohnt war einzukaufen. Bevor ich mich beim „Supertalent“ beworben hatte, stand ich oft hungrig auf der Bühne. Das unterscheidet mich von vielen Duschensängern, wie ich die Kandidaten in den Castingshows nenne.

Wie sieht es jetzt in Ihrem Kühlschrank aus? 

Aweh: Er ist immer gut gefüllt. Ich gehe jetzt regelmäßig einkaufen.

Jean-Michel Aweh live: 13. Februar, 20 Uhr, Kulturladen Wolfhagen, Triangelstraße 19. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204. 

Zur Person

Alter: 21

Aufgewachsen: in Kassel und Niestetal

Ausbildung: Hauptschulabschluss

Musikalische Karriere: Aweh, dessen Vater ein Musikgeschäft in Kassel hatte, begann mit acht Jahren, Mundharmonika zu spielen. Als 16-Jähriger lernte er Klavier. Mit 19 hatte er seinen ersten Auftritt (mit dem Kasseler Blues-Musiker Stolle). Bis heute kann er keine Noten lesen.

Größter Hit: „Raus aus dem Nebel“

Privates: Single, lebt in Kassel

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.