„No Exit?“: Ein tolles Schuldrama des Teens-Clubs im tif

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Sie sind der Teens-Club: 23 junge Darsteller brachten das Stück „No Exit?“ auf die Bühne.

Kassel. Das Leben als aufregendes Jammertal: Sie sind jung, sie sind wütend, voller Hass und voller Liebe, sie suchen Anerkennung und ihren Platz im Leben. Die einen sind zwölf, die anderen 16, dazwischen liegt mindestens eine Generation.

Sie sind Schülerinnen und Schüler in einer altersgemischten Klasse. Reformpädagogik nennt man das. Sie verbindet alles und nichts. Aber in einem sind sie sich einig: Die Lehrer finden sie zum Kotzen, was allerdings auf Gegenseitigkeit beruht.

Gleichgewicht des Schreckens? Nein, die Lehrer sitzen immer noch am längeren Hebel und verteilen die Quittung für schlechtes Betragen: ein Wochenende Nachsitzen im Klassenzimmer, zwischen vollgeschmierten Wänden und zerbrochenen Klos, eingesperrt, auf sich selbst gestellt und auf Konfrontation aus. Eine verfahrene Situation, das spüren alle, ein Ausweg ist nicht in Sicht.

„No Exit?“ heißt denn auch das Stück, das 23 jugendliche Laienschauspieler des Teens-Clubs am Staatstheater gemeinsam mit der Theaterpädagogin Geraldine Blomberg und Anika Klippstein (Bühne, Kostüme) entwickelt haben. Vorgestern hatte das beachtliche Stück Premiere im tif, gestern folgte eine weitere Aufführung.

Die Langeweile wird in diesem Schülerexil nur durch die Pausen erträglich, die durch augenblickliche Hyperaktivität gekennzeichnet sind. Es gibt Liebessehnsucht und Hasstiraden. Man redet in Sprechblasen oder Twitter-Kürzeln: „Geil“, „krass“, „halt’s Maul“, „langweilig“, „scheiße“, „Halleluja“. Man beachte übrigens das Fragezeichen: „No Exit?“, totale Ausweglosigkeit? Nein, es gibt Träume und somit auch eine Ausflucht. Die ist aber nur zu finden, wenn alle an einem Strang ziehen.

Zuletzt bringt es Dieter Klinge, Leiter des Kasseler Kinder- und Jugendtheaters, auf den Punkt: Es sei ein Stück, das zeigt, was ist und was sein könnte. In nur einer guten Dreiviertelstunde verdichten die jungen Akteure einen Ausschnitt aus ihrem Alltag und ihrem Lebensgefühl zu einem konzentrierten Drama zwischen Sprech- und Aktionstheater.

Großer Applaus für eine überzeugende und beachtliche Ensembleleistung.

Die Mitwirkenden:

Fenja Abel, Linda Brandau, Aleyna Büyükata, Delaine Coers, Lina Härmstädt, Marie Harbich, Pauline Hardt, Valérie Haydecker, Hannah Hosbach, Leonie Landgrebe, Lena Lange, Hannah Linke, Madita Meyer, Alina Michailidis, Marie Röhrig, Celine Römer, Sarah Scherpenbach, Giuliana Schmidt, Maleen Türk, Tom Burnie-Burgheim, Malte Herbst, Aaron Herold, Fabian Reinbott.

Von Andreas Gebhardt

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