Die Warte für Kunst ist Ausstellungsraum und Atelier zugleich

Experimentieren erwünscht

Verwirrend: Porträt von der Fotografin Paula Winkler.

Kassel. Am Fuße des Weinbergs, nur wenige hundert Meter von der Kunsthochschule entfernt: Einen besseren Ort hätte Melanie Vogel für ihren Ausstellungsraum nicht finden können. Seit Mai gibt es die Warte für Kunst, einen Präsentationsraum, in dem junge Künstler auch Mut zu Experimenten haben dürfen.

„Ich wollte neue Wege gehen und Kunst anders zeigen“, sagt Melanie Vogel. Als Galeristin sieht sich die 33-jährige Fotografie-Studentin deshalb nicht. Vielmehr als Verwalterin eines ungewöhnlichen Ausstellungsraumes, den sie praktischerweise auch selbst als Atelier nutzt. „Hier dürfen Künstler auch mal was ganz Neues ausprobieren“, sagt sie.

Originell ist nicht nur das Konzept, sondern auch das Programm der Warte für Kunst. Während des Rundgangs an der Kunsthochschule war sie zum Beispiel ein Zentrum für Handarbeit. Unter dem Motto „Strick auch du dich zum Künstler“ konnte sich jeder Gast im Stricken und Häkeln ausprobieren.

Die kleinen Puppen, die während der mehrtägigen Aktion entstanden, sind Mini-Ausgaben von Künstlern. Picasso gibt es ebenso als Häkel-Variante wie Beuys und Van Gogh.

Zurzeit stellen zwei Berliner Fotografinnen in der Warte für Kunst aus. An zwei gegenüberliegenden Wänden hängen ihre Arbeiten, in denen jeweils der Mensch im Mittelpunkt steht.

Milena Carstens hält skurrile Situationen fest, die den Betrachter zunächst ein wenig ratlos zurücklassen. Sind es zufällige Schnappschüsse oder arrangierte Szenen? Der erschrocken wirkende Mann, der in einem Gewächshaus steht. Die alte Dame, die einen ausgestopften Pferdekopf streichelt. Die meisten Personen haben eines gemeinsam: Sie scheinen in ihre Gedanken versunken. Die Fotografin ist stille Beobachterin.

Mit gängigen Geschlechter-Vorstellungen spielt Paula Winkler. Sie fotografiert Männer und Frauen vor neutralem Hintergrund. Menschen, bei denen die Geschlechtermerkmale nicht immer eindeutig zuzuordnen sind. Zierliche Männer mit weiblichen Gesichtszügen sind ebenso in der Porträtserie zu sehen wie Frauen mit Männerfrisur und flacher Brust. Es darf gezweifelt und hinterfragt werden.

Warte für Kunst, Frankfurter Straße 54 (direkt an der Haltestelle Weinberg), Ausstellung bis 29. August, dienstags und donnerstags sowie jeden ersten Samstag im Monat von 16 bis 19 Uhr.

Kontakt: Melanie Vogel, Tel. 0163/ 739 8 775.

Von Pamela De Filippo

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