Exquisiter Nachwuchs: Bundesjugendorchester in Kasseler Stadthalle

Intensives Spiel: Mitglieder des Bundesjugendorchesters beim Auftritt in der Kasseler Stadthalle. Foto:  Schoelzchen

Kassel. Wenn das Bundesjugendorchester ein Konzert ankündigt, sind die Erwartungen und die Vorschusslorbeeren meist groß. . Am Sonntagabend trat das BJO im ersten Konzert der Reihe „Sommer Sinfonie“ des Kultursommers Nordhessen in der gut gefüllten Stadthalle auf.

Kassel war eine von drei deutschen Stationen der Konzertreise, ab Donnerstag folgen sieben Konzerte in Venezuela und Ecuador. Für einen der Musiker war der Auftritt ein Heimspiel: Der Kasseler Geiger Fjodor Selzer spielte am ersten Pult der ersten Violinen.

Das Programm war konfliktfrei und bot den 14- bis 21-jährigen Musikern die Chance, ihr Können an bekannten Objekten zu demonstrieren. Dazu brauchen sie einen engagierten Dirigenten, und den haben sie in Christoph Altstaedt, in der neuen Saison Chefdirigent des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck. Was er in der Probenphase aus dem Orchester herausgeholt hat, ist bewundernswert.

Schon bei Robert Schumanns „Ouvertüre, Scherzo und Finale“ war dies zu hören. Keine Allerweltsromantik war zu hören, sondern klar strukturierte, originell durchdachte Musik voller Brillanz und Tiefe, voller vorzüglicher individueller Leistungen im Dienst am gemeinsamen Ganzen.

Noch ausgefeilter, noch extravaganter geriet Beethovens Sechste, die „Pastorale“. Wenn man in einem Stück, das wohl fast jeder im Saal kannte, so viel Neues hört, das aber nie gegen den Geist der Symphonie aus der Partitur herausmodelliert wurde, dann ist dies etwas Außergewöhnliches. Und dass dies mit jungen Musikern gelingt, die noch vor dem Studium stehen, spricht für deren Exzellenz. Zwei Beispiele nur: Der Beginn kam ungewöhnlich zügig daher, doch nie hektisch, stets federnd und leicht.

Als Kontrast dazu war das folgende Andante anfangs von starken Nebeln verhüllt, ehe sich die Melodie durchkämpfen durfte. Die Leistung des Orchesters im Detail und im großen Bogen war durchweg exquisit.

Exquisit und zu Recht umjubelt auch Stephan Dohr, der Solo-Hornist der Berliner Philharmoniker, der das zweite Hornkonzert von Richard Strauss spielte.

Von Johannes Mundry

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