Das Enos Trio überzeugte bei den Kasseler Musiktagen

Enos Trio spielte im Ständesaal

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Letzte Vorbereitungen: Katalin Hercegh (Violine), Julia Okrusahvili (Klavier) und Daniel Geiss (Violoncello) vor dem Konzert ihres Enos-Trios.

Kassel. Vertrautes mit weniger Bekanntem, intellektuell Anregendem zu kombinieren, ist ein Markenzeichen der Kasseler Musiktage. So auch beim Konzert des Enos Trios am Dienstag im Ständesaal, als drei Werke des 20. und 21. Jahrhunderts in den sicheren Hafen namens Brahms führten.

Das in Kassel gut bekannte Klaviertrio aus Katalin Hercegh (Violine), Daniel Geiss (Violoncello) und Julia Okrusahvili (Klavier) hatte ein sattes Pensum vor sich, als es mit dem Vortrag von Mauricio Kagels erstem Klaviertrio begann. Eine überbordende Fülle an kleinteilig organisierten Ideen bietet das Werk. Hätte man es dreimal an diesem Abend gespielt, wäre noch immer viel zu entdecken gewesen. Sehr gut schon hier das Zusammenspiel, das viel Aufeinander-Hören und -Schauen nötig machte.

Der nächste Brocken - Dmitri Schostakowitschs Trio in e-Moll - folgte mit großen Bögen, weit ausgespannten Ideen und dem anrührenden Grundton eines Lamentos. Hier konnten die drei Musiker zeigen, wie gut sie in der Lage sind zu strukturieren.

Danach das jüngste Werk des Abends: „Jubilus“ des Österreichers Thomas Daniel Schlee, acht Minuten Musik, die in einer aufsteigenden Linie auf einen leicht gebrochenen Jubel hinführen, der der Geige übertragen ist.

Dann Brahms: das H-Dur-Trio, ein vorwärts stürmendes Frühwerk, das Brahms in späten Jahren umgearbeitet hat. Diese Fassung, ohne die Züge eines ungeschliffenen Edelsteins, wurde gespielt. Und es wurde eine exquisite Interpretation, voller Emotionalität, groß in der Geste, originell im Detail. Besonders das Klavier spielte ungebremst aus, was aber kein Ungleichgewicht erzeugte, sondern ein fruchtbares Fundament schuf, auf dem Geige und Cello reichen Nährboden für ihr Spiel fanden. Großer Beifall und als Dank eine hübsche Fantasie über „Guten Abend, gut’ Nacht“.

Von Johannes Mundry

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