Kai Havaii war ganz oben und unten - nun rockt er gegen Rassismus

Ein extra breites Leben

Gruppenbild mit Dame: 1992 sangen Extrabreit mit Hildegard Knef „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Die Diva ließ sich mit (vorn von links) Kai Havaii, Rolf Möller sowie (hinten von links) Herb Leitner, Stefan Kleinkrieg und Bubi Hönig fotografieren. Foto: dpa

Baunatal. Extrabreit-Sänger Kai Havaii stammt aus der hässlichsten Stadt Deutschlands. So nennen die Hagener ihren Ort nicht ganz ohne Stolz. Denn selbst das Hässlichste kann etwas Schönes hervorbringen. Die Provinzstadt im Südosten des Ruhrgebietes war schon vor 32 Jahren strukturschwach und ohne Sehenswürdigkeiten. Vielleicht gerade deshalb wurde sie Anfang der 80er zu einer kleinen Pop-Metropole.

Mit Hits wie „Flieger, grüß mir die Sonne“ und „Hurra, hurra, die Schule brennt“ schafften es Extrabreit zur erfolgreichsten Band der Neuen Deutschen Welle. Nena startete hier ihre Karriere, die sie bis an die Spitze der US-Charts führte. Und die Hagener Geschwister Humpe sind heute noch prägende Pop-Gesichter.

Jens Dembowski weiß das alles sehr genau. Der Projektleiter im Baunataler VW-Werk stammt ebenfalls aus Hagen und übte mit seiner Band einst im selben Proberaum wie die Stars. Zusammen mit dem Extrabreit-Fan und Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Stumpf hat der 45-Jährige dafür gesorgt, dass Kai Havaii mit seiner Band nach Kassel kommt. Nächsten Donnerstag treten Extrabreit für die Kampagne „Respekt“ im Kasseler Musiktheater auf. Die Initiative macht mobil gegen Rassismus und Diskriminierung. VW sponsert 400 Karten für seine Mitarbeiter.

„Wir wollen vor allem abrocken mit den Leuten“, sagte Kai Havaii bei einem Pressetermin im Baunataler VW-Werk. Das hat der 55-Jährige sein Leben lang mit allen Höhen und Tiefen getan. Ende der 80er wurde es still um Extrabreit und Havaii, der eigentlich Kay Schlasse heißt: „Da lief nicht viel mehr als der Stromzähler.“

Havaii wurde heroinsüchtig, musste den Selbstmord seiner Freundin verarbeiten und war nicht mehr gefragt. Davon erzählt auch sein autobiografischer Roman „Hart wie Marmelade“, der vor fünf Jahren erschien. Heute sagt der Musiker, der mit seiner Freundin in Hamburg lebt: „Was einen nicht tötet, macht einen nur noch härter.“

Zuletzt haben Extrabreit ein Album mit dem Philharmonischen Orchester Hagen aufgenommen, aber ihr alternativer Pop-Punk klingt immer noch nach einer Rockband mit zwei Gitarren. Gefragt sind vor allem die alten Hits. Für einen Reifenhersteller hat die Band gerade ihr Hildegard-Knef-Cover „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ noch einmal neu aufgenommen.

Kai Havaii ist ein Mann mit einem extrabreiten Profil und vielen Lebensweisheiten. Eine lautet: „Wer Hagen kennt, dem gefällt’s überall.“

Extrabreit live: 26. April, Musiktheater Kassel, Angersbachstraße 10. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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