Extrem ausdrucksstark: Cantiamo Kassel

„Unser Leben ist ein Schatten“: Ein aufregendes Programm hatte sich Cantiamo, der Chor der Universität Kassel, unter Andreas Cessaks Leitung vorgenommen. Foto: Fischer

Der Universitätschor Cantiamo bot in der Kirche St. Bonifatius Musik vom Barock bis zur Moderne. Das Motto: "Unser Leben ist ein Schatten".

KASSEL. Gleichermaßen anrührend wie aufregend waren die Konzerte des Universitäts-chores Cantiamo Kassel zum Abschluss des Wintersemesters. „Extrem ausdrucksstark“, nannte Chorleiter Andreas Cessak die Werke am Dienstagabend in der nahezu vollen Kirche St. Bonifatius. Der Chor warf einen musikalischen Blick auf die Vergänglichkeit.

Warm und frisch im Klang, mit guter Textdeutlichkeit sangen die rund 80 Stimmen eingangs die ergreifende Motette „Unser Leben ist ein Schatten“ von Johann Bach (1604-1673), einem Großonkel des berühmten Johann Sebastian.

Dann feierlich-ernste Trompeten- und Posaunenklänge von der Empore: die „Music for the funeral of Queen Mary“ von Henry Purcell. Engagiert brachte Cantiamo die harmonischen Kühnheiten zur Geltung.

Aber es wurde noch kühner beim „Miserere“ c-Moll (1738) von Jan Dismas Zelenka. Das streng symmetrisch gebaute Werk beginnt mit schneidender Wucht, motorisch angetrieben von Streichern und Oboen. Darauf folgen herbste Stilwechsel: die Chorübertragung eines damals schon hundert Jahre alten Frescobaldi-Orgelstücks und eine lebhafte Sopranarie im neapolitanischen Stil, hier kraftvoll gesungen von Jolanta Radek.

Man kann Cessak und den Unichor nur dafür loben, sich Zelenkas übersteigerter Expressivität angenommen zu haben.

Die mit weiter Dynamik ge-sungenen Schlussstücke stammten von zeitgenössischen Komponisten: Peteris Vasks’ „Dona nobis pacem“ für Chor und Orgel (hier: Sebastian Herberg) und Eric Whitacres „Sleep“. Beim betörenden Schlafgesang übernahm der begabte Studierende Tobias Nering die Leitung. Applaus, Jubel, als Zugabe nochmals „Sleep“.

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