Neu im Kino: Zwei Schauspieler in zehn Rollen in „Die Relativitätstheorie der Liebe“

Exzess der Maskenbildner

Wandlungsfähig: Katja Riemann als Mitarbeiterin der Gesundheitsbehörde, die Imbissbuden untersucht, und Olli Dittrich als Musiker Stevie, der die titelgebende Relativitätstheorie der Liebe erfunden hat. Fotos:  Universal

Dass jeder Episodenfilm, der sich auf die dramaturgischen Spuren von Robert Altmans „Short Cuts“ macht, auch immer ein Ensemblefilm sein muss, ist eine logische Konsequenz, die Otto Alexander Jahrreiss in „Die Relativitätstheorie der Liebe“ mit einem kühnen Besetzungscoup aushebelt. In seinem Berliner Liebesreigen lässt er die zehn Hauptrollen von nur zwei Darstellern spielen.

Katja Riemann und der Comedian Olli Dittrich sind hier in fünf verschiedenen Reinkarnationsformen zu sehen, in denen sie vom Aufstieg und Verfall amouröser Emotionen berichten. Die Grundidee beruht auf einer Werbekampagne für den „Media Markt“, in der Jahrreis Dittrich bereits schon einmal als Allzweckwaffe eingesetzt hatte. Wenn Dittrich sich mit Schmerbauch, Klappsonnenbrille und Vonix-Hila-Frisur als Fahrlehrer in den Autositz sinken lässt, fühlt man sich auch gleich wie in einer TV-Comedy-Show.

Proll-Attitüde

Aber die Figur will nicht nur als Karikatur, sondern als vielschichtiger Charakter wahrgenommen werden, was angesichts des maskenbildnerischen Exzesses und Dittrichs Proll-Attitüde nicht leicht fällt. Da sieht das bei Katja Riemann schon anders aus, die als Fahrlehrer-Gattin venezuelanischer Herkunft Perücke und dicke Schminke aufgetragen hat und trotzdem in der Rolle des garstig-lebenslustigen Vollweibes komödiantische Tiefe entwickelt.

Auf der entgegengesetzten Seite des Universums spielt sie die völlig durchgeistigte Eso-Tante und in einem weiteren Erzählstrang die graumäusige Angestellte des Gesundheitsamtes, die in einem libanesischen Imbissbesitzer das sanfte Glück ihres Lebens findet.

Denn natürlich geht es bei diesem schauspielerischen Multi-Tasking-Overkill wieder einmal nur um das Eine - die vermeintlich unberechenbaren Wege der Liebe, die hier allerdings recht übersichtlich verlegt worden sind. Zwei Paare, die zueinander finden, zwei, die auseinanderdriften, und am Schluss dürfen alle Kursteilnehmer noch einen lebensversöhnlichen Spruch ins Poesiealbum schreiben.

Als schauspielerische Leistungsschau hat „Die Relativitätstheorie der Liebe“ durchaus einen gewissen Unterhaltungswert, aber ein bisschen mehr Substanz hätte nicht geschadet.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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