In Deutschland noch ein Geheimtipp: Faber kommt ins Kasseler Kulturzelt

Kassel. Er singt, was er denkt und klingt dabei viel älter, als er ist. Mit seinem Debütalbum „Sei ein Faber im Wind“ geht der 23-jährige Songwriter Faber auf Tour und kommt ins Kasseler Kulturzelt.

„Warum du Nutte, träumst du nicht von mir“, singen Sie. Wie steht es mit Ihrem Respekt vor Frauen? 

Faber: Ich hatte nicht auf dem Schirm, wie sehr diese Worte provozieren können - das war nicht die Absicht. Grundsätzlich bin ich auf derselben Seite wie alle Feministinnen. Das Wort Nutte ist beleidigend, soll es in dem Moment auch sein, weil man verletzt, wütend und blind ist. Das soll der Text zeigen und nicht, dass ich Frauen als minderwertig ansehe. Das ist nicht so.

Ist konservativ sein, der größte Schrecken für Sie? 

Faber: Nö. Ich bin in gewissen Dingen konservativ. Ich finde offene Beziehungen blöd, wünsche mir eine große Familie. Ich mag Traditionen.

Kritiker feiern Sie als Star der Zukunft, sind Sie bereit dafür? 

Faber: Ich glaube nicht. Es ist nett, wenn sie das sagen. Irgendwie ist es auch lustig, weil es so abstrakt für mich ist.

Sie singen „Sei ja nie du selbst und bleib dir nicht treu“, wie viel Ironie steckt da drin? 

Faber: Es ist mehr ein Identitätsloch. Die Frage ist, wie sehr man überhaupt man selbst sein kann. Ich finde es dumm, wenn Leute sagen, sie sind jetzt sie selbst. Das hieße ja, man ist nur eine Person.

Wie viele Personen stecken denn in Faber? 

Faber: Ich rede jetzt ganz anders mit Ihnen, als mit meiner Mutter oder mit meinen Freunden. Ich bezweifle, dass man nur eine Person ist.

Aber gerade über Musiker wird zum Beispiel oft gesagt, dass sie sich treu geblieben sind. 

Faber: Das ist völliger Blödsinn. Das würde komplett die Entwicklung eines Menschen einschränken. Wäre das so, hätten wir uns nicht weiterentwickelt, könnten nicht sprechen und ich würde noch immer Pokémon toll finden.

Sie sprechen mehrere Sprachen. Warum singen Sie auf Deutsch? 

Faber: Ich spreche keine Sprache so gut wie Deutsch, außer Schweizerdeutsch. Aber die Frage ist eigentlich unberechtigt, man müsste englischsprachige Bands aus dem deutschsprachigen Raum fragen, warum sie das machen.

Ihre Songs sind politisch, teils sozialkritisch und unbequem. Wie wichtig ist Ihnen eine Chartplatzierung? 

Faber: Mir ist das egal. Klar möchte ich, dass meine Musik viele Menschen hören, aber das hängt nicht zusammen.

Könnten Sie sich vorstellen, Liebeslieder zu schreiben? 

Faber: Lieder müssen nicht politisch sein. Es würde aber helfen, wenn die Leute ihre Meinung kundtun. Wie ich das mache, ist sehr ineffizient. Es würde mehr bringen, wenn Helene Fischer ein politisches Album machen würde.

Ihr Vater ist Sänger Pippo Pollina, war für Sie früh klar, dass sie Sänger werden? 

Faber: Ich wollte nichts anderes machen. Es ist eine große Hilfe, als Kind zu wissen, dass Musiker sein ein Beruf ist und dass das möglich ist.

Stimmt die Geschichte, dass Sie vor Sophie Hungers Tür standen, ihr vorgespielt haben und dann mit ihr auf Tour gegangen sind? 

Faber: Die stimmt. Ich hätte sie aber auch erfunden, weil ich sie romantisch finde. Ich habe sie zufällig getroffen und gefragt, ob ich ihr vorsingen darf. Sie gab mir ihre Adresse. Einfach vor der Tür stehen, das hätte ich nicht gemacht.

Ihr Vater tritt in Vellmar auf und Sie stehen bald in Kassel auf der Bühne. Nordhessen hat es ihnen wohl angetan. 

Faber: (lacht) Erst nehmen wir Nordhessen und dann Manhattan.

Faber ist vor 23 Jahren als Julian Pollina im Zürcher Seefeld geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Seine Karriere begann nach dem Abitur im Sommer 2013, als er Sophie Hunger ein paar Songs vorspielte und danach mit ihr auf Tour ging, bei AnnenMayKantereit und der Band Wanda im Vorprogramm auftrat. Sein Vater ist Sänger Pippo Pollina. Faber wohnt in einer WG in Zürich. 

Karten: Faber & Fil Bo Riva, 17.8., Kulturzelt Kassel, HNA-Kartentelefon: 0561/203204.

Pippo Pollina, 2.7., Sommer im Park Vellmar, Karten: www.piazza.ddticket.de

Aktuelle CD: Sei ein Faber im Wind.

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