Valerie Trebeljahr über das neue Album ihrer Band Lali Puna und das Internet

Erst der Fußball bringt eine der besten deutschen Pop-Bands in die Region. Eigentlich sollte die Münchner Gruppe Lali Puna an diesem Samstag in Bremen spielen. Weil der SV Werder jedoch im Berliner DFB-Pokalfinale steht, sagten die Veranstalter den Auftritt ab.

Gegen König Fußball kommt der unaufgeregte Indietronic-Sound von Lali Puna mit pulsierenden Keyboards, pluckernden Gitarren und digitalen Samples nicht an. Nun spielt das aus dem oberbayerischen Weilheim stammende Quartett, das mit „Our Inventions“ gerade sein viertes Album veröffentlicht hat, im Kasseler Kulturzentrum Schlachthof. Wir sprachen mit Sängerin Valerie Trebeljahr (35).

Haben Sie heute schon eine Nachricht im Internet-Netzwerk Facebook geschrieben?

Valerie Trebeljahr: Nein, mein letzter Eintrag dort ist schon etwas älter. Ich finde es zwar toll, dass man wahnsinnig viele Leute erreicht, aber ich habe mich lange gegen soziale Netzwerke gewehrt. Letztlich hat mich mein Label dazu gezwungen, bei Facebook mitzumachen.

Auf „Our Inventions“ setzen Sie sich kritisch mit moderner Kommunikation auseinander. Aber dass Lali Puna in Kassel statt in Bremen spielen, haben wir über eine Nachricht auf Facebook erfahren.

Trebeljahr: Unser Album ist kein Rundumschlag gegen moderne Technologien. Aber ich finde, man sollte darüber nachdenken, was das Internet verändert. Ich habe relativ früh mit dem Internet-Kram angefangen und während meines Studiums viel gechattet. Aber damals hat man nicht einfach seine Daten im Netz preisgegeben. Das hat sich komplett gewandelt. Heute erinnert einen Facebook an die Geburtstage seiner Freunde, was ja auch nützlich ist. Aber ich halte es für bedenklich, wenn man nur noch über Computer kommuniziert und nicht mehr gemeinsam ins Kino geht.

Eigentlich sollte „Our Inventions“ ein Album für den Dancefloor werden. Warum klingen die neuen Songs nun doch sehr ruhig?

Trebeljahr: Als wir im Studio waren, haben wir gemerkt, dass das nicht funktioniert hätte, weil meine Stimme einen sehr ruhigen Charakter hat. Wir haben die Arrangements verändert und die Bassdrum wieder rausgenommen. Aber live werden wir viele Songs rockiger spielen. Sonst wird es für das Publikum zu anstrengend.

Weilheimer Bands wie The Notwist feiern international Erfolge. Die britische Gruppe Radiohead erklärte Lali Puna gar zu ihrer Lieblingsband. Was macht den viel beschworenen Sound of Weilheim aus?

Trebeljahr: Das hat viel mit den Sängern zu tun. Wenn man sich die aktuelle Musiklandschaft anschaut, sind da sehr viele Bands wie Hot Chip, bei denen die Stimme im Vordergrund steht. Bei uns gibt es dagegen eine unpoppige Sängerposition. Wir agieren sehr zurückhaltend.

Sind sich die Menschen in Weilheim eigentlich bewusst, dass Sie ihren Ort auf der Pop-Landkarte weltbekannt gemacht haben?

Trebeljahr: Bei The Notwist mittlerweile schon. Allerdings war es für viele in der Stadt schwierig, das anzuerkennen. Das Jugendzentrum, in dem sich die Musiker trafen, wurde vor Jahren dicht gemacht. Jetzt ist die Stimmung anders. Der Bürgermeister ist nicht mehr von der CSU. Und das „Weilheimer Tagblatt“ berichtet über uns. Das ist vor allem für die Eltern wichtig, wenn sie etwas über ihre Kinder lesen, die ja mit Musik nichts Sicheres machen.

Lali Puna, Samstag, 15. Mai, 21 Uhr, Kulturzentrum Schlachthof, Kassel, Mombachstraße 12.

Our Inventions (Morr Music). Wertung: !!!!:

Von Matthias Lohr

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