Das Ensemble Blue-Screen überzeugte in der Reihe Achtmal Alte Brüderkirche

Wie die Fahrräder klingen

Von Fagott bis Fahrrad: Das Ensemble Blue-Screen in der Alten Brüderkirche. Hinten die Künstlerin Steffi Jüngling (buntes Kleid) und Rezitatorin Kathrin Jahns (helles Kleid). Foto: Schachtschneider

Kassel. Es gibt sicherlich dankbarere Konzerttermine für ein akustisches Konzert als den vergangenen Sonntagnachmittag. Das vierte Konzert der Reihe Achtmal Alte Brüderkirche fand etwa zehn Minuten nach dem Abpfiff des Länderspiels Deutschland - England statt und wurde von einem sehr dominanten Hupen- und Vuvuzelacluster und Trommelgeräuschen der feiernden Fans auf der nahe gelegenen Straße begleitet.

Unbeirrt durch diesen hohen Geräuschpegel bot das seit elf Jahren bestehende Ensemble Blue-Screen eine ansprechende musikalische Leistung. Neben einer Eigenkomposition der Musiker aus Oldenburg, welche mit dem Klang verschiedener Papierstücke arbeitete und deren Klangeigenschaften durch Zerreißen, Anschnipsen, Zerknüllen und in die Luft werfen voll ausschöpfte, standen auch Werke des Kasseler Unidozenten Olaf Pyras und des Komponisten Matthias Kaul auf dem Programm.

Während Pyras mit den Klängen von in Wasser getauchten und mit Wasser gefüllten Gläsern arbeitete und diese perfekt mit den Klangfarben des Fagottspiels von Jens Pfaff verband, bot die Komposition von Kaul ein in dieser Weise wohl noch nicht gehörtes Instrumentarium.

So setzte sich das Ensemble dieses Werkes aus einer Geige, einem Fagott, einigen Fahrrädern sowie dem Klang mehrerer Aufziehautos zusammen. Dabei verstanden es die Oldenburger Klang-Alchemisten meisterhaft, diese alltäglichen Gegenstände als musikalische Klangkörper nutzbar zu machen. Etwa indem sie die Speichen der Fahrräder mit einem Geigenbogen strichen oder einen Stock mit einer Dose an die Fahrradspeichen hielten.

Auch wenn es angesichts des Außenlärms nur schwer möglich war, sich auf die Textvorträge von Kathrin Jahns zu konzentrieren, stellten diese dennoch ein gelungenes Verbindungsglied zwischen der Musik und dem eindrucksvollen Kunstwerk „Reise in mein Zimmer“ der Künstlerin Steffi Jüngling dar.

Dieses bestand aus einem mit Seilen an der Decke befestigten Raum aus handgeschöpften Japanpapieren. Auf diesen waren mit der Technik des Wasserzeichens Möbel und Gegenstände abgebildet. Lauter Beifall der rund 60 Zuhörer, der sogar den Straßenlärm kurzzeitig übertönte.

Von Sebastian Krämer

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