Das Lutz-Häfner-Quartett stoppte im Theaterstübchen

Fahrt mit dem Jazz-Taxi

Quartett der Extraklasse: (von links) Rainer Böhm (Piano), Lutz Häfner (Saxofon) und Christian Diener (Bass). Nicht auf dem Bild ist der Schlagzeuger Paul Höchstädter. Foto: Malmus

KASSEL. Mit Ausnahme von etwa 20 Unverzagten hat die nordhessische Jazzgemeinde ein Konzert von hoher Qualität versäumt: Das souveräne Lutz-Häfner-Quartett zeigte am Dienstagabend im Theaterstübchen eindrucksvoll, wo der Hammer in diesem Genre hängt.

Akustischer Jazz in fast kammermusikalischer Atmosphäre wurde zelebriert, modern und doch nicht seine Wurzeln verleugnend. Die vier Musiker boten ein knapp zweistündiges Programm, das größtenteils aus Eigenkompositionen des vielseitigen und mit diversen Preisen dekorierten Saxofonisten Häfner bestand. Auch sein kongenialer Partner Rainer Böhm am Konzertflügel war mit einigen selbst geschriebenen Stücken beteiligt. In seinen intensiven und ausgedehnten Soli schien der Pianist förmlich in sein Instrument hineinzukriechen.

Große Bandbreite

Das Quartett schöpfte die gesamte Bandbreite in puncto Dynamik und Tempo aus: von getragenen, schwebenden Passagen mit samtweichen Saxofonlinien und dezenten Pianotupfern bis zu bebopmäßigen Uptempo-Stücken.

Rauschende Coltrane’sche Klangkaskaden mündeten in mehrtaktige, synkopierte Unisono-Läufe, die scheinbar anstrengungslos höchstpräzise abgespult wurden. In keinem Moment wirkte dies wie bloße Demonstration technischer Brillanz, sondern integrierte sich stets homogen in den musikalischen Kontext.

Schlagzeuger Paul Höch-städter streichelte sein schönes Vintage-Drumset mit den Besen zuweilen wie ein rohes Ei, konnte beim „Colombian Taxi Drive“ in seinem Solo über einem Ostinatomotiv aber auch andere Facetten aufzeigen. Zusammen mit Bassist Arne Huber schuf er die wackelfreie Basis für die komplexen Harmonien von Häfner und Böhm.

Als Zugabe wurden die aufmerksamen Zuhörer mit einem Saxofon-Piano-Duett belohnt.

Von Wolfgang Wollek

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